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Ergebnisse

Gesundheit und Krankheit auf der Straße

Flick U. & Röhnsch G. (2008). Gesundheit auf der Straße. Vorstellungen und Erfahrungsweisen obdachloser Jugendlicher. Weinheim und München: Juventa.

 

Obdachlosigkeit ist auch in Deutschland eine wachsende Herausforderung für Gesundheitswissenschaft und Sozialpädagogik. Speziell obdachlose Jugendliche sind mit zahlreichen Gesundheitsrisiken konfrontiert. Welche Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit haben obdachlose Jugendliche? Welche Handlungsweisen im Umgang mit Gesundheit, gesundheitlichen Risiken und Beeinträchtigungen lassen sich bei ihnen beobachten? Welche Ressourcen nutzen sie im Falle von Krankheiten, welche Erfahrungen machen sie dabei mit dem Gesundheitswesen, welche Rolle spielt die ?Szene? dabei? Die Studie zeigt die Inhalte und den Stellenwert von Gesundheitsvorstellungen und Erfahrungen im Umgang mit akuten und chronischen Krankheiten bei obdachlosen Jugendlichen auf. Sie zeigt, inwieweit diese Zielgruppe über andere oder ähnliche Vorstellungen in Bezug auf Gesundheit verfügt als Jugendliche generell. Im Fokus stehen die Relevanz und der Umgang mit speziellen Risiken (Sexualität, Ernährung, Alkohol, Drogen u.a.), die Bewältigung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Erkrankungen sowie die Inanspruchnahme medizinischer oder psychosozialer Dienstleistungen. Abgerundet wird die Ergebnisdarstellung durch ausführliche Fallstudien.

 

Hilfesuchverhalten obdachloser Jugendlicher: Inanspruchnahme institutioneller Versorgungsangebote

Flick U. & Röhnsch G. (2006). ?...wenn man sich nich? helfen lassen will...? ? Hilfesuchverhalten obdachloser Jugendlicher: Inanspruchnahme institutioneller Versorgungsangebote. Zeitschrift für Sozialpädagogik, 4 (4), 338-360

 

Obdachlose Jugendliche erscheinen besonders betroffen von gesundheitlichen Risiken und Beeinträchtigungen. Trotzdem nehmen sie aus verschiedenen Gründen Versorgungsangebote im Gesundheitswesen nur eingeschränkt war. Einerseits ist für sie der Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung dadurch erschwert, dass sie oft die Zuzahlungen zu unterschiedlichen medizinischen Leistungen nicht aufbringen können. Andererseits haben die Jugendlichen nicht selten Hemmungen, ?klassische? psychosoziale und medizinische Hilfen zu akzeptieren. Die Inanspruchnahme formeller (ärztlicher) Unterstützung durch obdachlose Jugendliche wird anhand der Daten aus einem DFG-Projekt analysiert. Dabei lassen sich vier Deutungs- und Handlungsmuster in Bezug auf das Hilfesuchverhalten identifizieren, die sich vor allem hinsichtlich der mit dem Arztbesuch verbundenen Erwartungen und Erfahrungen unterscheiden. Ausgehend von den Ergebnissen dieser Studie werden abschließend mögliche Konsequenzen für die ärztliche, psychosoziale und sozialpädagogische Versorgung von Straßenjugendlichen erörtert.

 

Alkohol- und Drogenkonsum obdachloser Jugendlicher

Flick U. & Röhnsch G. (2006). ?Lieber besoffen. Oder bekifft. Dann kann man?s wenigstens noch aushalten.? ? Alkohol- und Drogenkonsum obdachloser Jugendlicher. Diskurs ? Kindheits- und Jugendforschung, 1 (2), 261-280 (im Druck)

 

Für obdachlose Jugendliche sind Alkohol und Drogen oft funktional, zugleich sind sie mit vielfältigen Risiken verbunden. Wie nehmen die Betroffenen das Spannungsfeld zwischen subjektiver Angemessenheit des Alkohol- und Drogenkonsums und möglichen Gefährdungen wahr? Wie gehen sie mit substanzbedingten Risiken und vorliegenden Beeinträchtigungen um? Solchen Fragen wird hier auf der Basis einer von der DFG geförderten Studie zu Gesundheitsvorstellungen und -verhalten obdachloser Jugendlicher nachgegangen. Diese wurden zu ihrer Lebenssituation sowie zu Gesundheitskonzepten und -verhalten befragt. Ergänzend wurden Teilnehmende Beobachtungen in der ?Szene? durchgeführt. Es lassen sich vier Typen von Deutungs- und Handlungsmustern finden. Abhängig von Alter und Geschlecht, differieren diese vor allem darin, inwieweit der eigene Substanzgebrauch als riskant bewertet und welche Konsequenzen daraus gezogen werden. Den subjektiven (Risiko-) Einschätzungen der Jugendlichen werden die Konsummuster sowie die in den Beobachtungen gefundenen Verhaltensweisen gegenübergestellt. Abschließend werden Konsequenzen aus den Studienergebnissen für eine zielgruppenspezifische Suchtprävention diskutiert.

Armut und Obdachlosigkeit als Kontexte sexuellen Risiko- und Schutzverhaltens von Jugendlichen

Flick U. & Röhnsch G. (2006). ?Ich vertrau? der anderen Person eigentlich...? ? Armut und Obdachlosigkeit als Kontexte sexuellen Risiko- und Schutzverhaltens von Jugendlichen. Zeitschrift für die Soziologie der Erziehung und Sozialisation, 26 (2), 171-187.

 

Was heißt es für Jugendliche in Deutschland, ?auf der Straße? zu leben? Welche Auswirkungen hat diese Lebenssituation, die von Armut und sozialer Benachteiligung gekennzeichnet ist, auf Gesundheitsvorstellungen und -verhaltensweisen der Betroffenen? Solchen Fragen wird hier auf der Grundlage der Ergebnisse einer von der DFG geförderten Studie exemplarisch anhand des Sexualverhaltens der Jugendlichen nachgegangen. Da eine wesentliche Gesundheitsgefahr, der Straßenjugendliche ausgesetzt sind, sexuell übertragbare Erkrankungen darstellen, ist es von besonderem Interesse, wie dieses mögliche ?objektive? Risiko wahrgenommen und verarbeitet wird. In diesem Kontext lassen sich drei Typen unterschiedlicher Deutungs- und Handlungsmuster identifizieren. Sie differieren vor allem im Hinblick auf das Risikobewusstsein der Jugendlichen sowie die Absicht, sich schützen zu wollen. Im Einzelnen zeigen sich Unterschiede in Bezug darauf, welche Einstellung die Jugendlichen gegenüber Kondomen vertreten, ob sie andere Schutzmaßnahmen ?jenseits? des Präservativs anwenden und inwiefern sie diese als ?sicher? erleben. Abschließend werden Konsequenzen aus den Studienergebnissen für eine zielgruppenspezifische Sexualprävention diskutiert.

Obdachlosigkeit und Gesundheit

Flick U. (2007). Homelessness and Health ? Challenges for Health Psychology. Journal of Health Psychology, 12 (5), 691-695

 

Homelessness can be seen as a challenge for health psychology in research and practice on several levels: analysing the risks of becoming homeless; the living conditions of being homeless and their impact on health risks and problems; homeless youth as a specific phenomenon; health problems in the context of homelessness; service utilization and barriers and effects of interventions in the context of homelessness. With these levels, a framework is outlined for the contributions to this Special Issue. In the end, homelessness is discussed as an issue for prevention in three respects for a comprehensive approach in health psychology.

 

Gesundheitsvorstellungen und -verhalten obdachloser Jugendlicher

Flick U. & Röhnsch G. (2007). Idealization and Neglect - Health concepts of homeless adolescents. Journal of Health Psychology, 12 (5),737-750

 

How do homeless adolescents think of health and perceive their own health status? Episodic interviews with (N = 24) homeless adolescents (age 14?20 years) in Germany addressed several aspects of the adolescents' representations of health: their definitions and experiences of health and links between both. Results show the meaning of health for participants in street life. Patterns of perceiving the relevance of health and of possible influences on it reveal a tension between idealizing and neglecting health. A similar tension characterizes how the adolescents refer to their way from family to street life. Conclusions for health promotion for this target group are drawn.

 

Flick U. & Röhnsch G. (2008). ?Ziemlich oft frag? ich mich dann, wie?s ist, wenn man mal so richtig gesund ist.? ? Gesundheitsvorstellungen obdachloser Jugendlicher. In: Hackauf, H./ Jungbauer-Gans, M. (Hrsg.): Gesundheitsprävention bei Kindern und Jugendlichen ? Gesundheitliche Ungleichheit, Gesundheitsverhalten und Evaluation von Präventionsmaßnahmen. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaft, S. 41-71

 

Das Jugendalter ist aus präventiver Sicht von besonderer Bedeutung, um zu verhindern, dass sich ?ungesunde? Lebensweisen, die in diesem Zeitraum gehäuft auftreten, im Verhaltensrepertoire des Einzelnen etablieren. Zu dem Zweck gilt eine Orientierung präventiver Maßnahmen am gesundheitsbezogenen Wissen der Zielgruppe als erforderlich, was dessen genaue Kenntnis voraussetzt. Vorliegende Studien haben sich in dem Kontext vorrangig dem subjektiven Befinden und den Gesundheitsvorstellungen der Normalbevölkerung gewidmet. Was Jugendliche über Gesundheit denken, deren Lebenssituation durch Armut und Benachteiligung gekennzeichnet erscheint, wurde demgegenüber nur bedingt berücksichtigt. In diesem Artikel wird eine Studie vorgestellt, in der mittels episodischer Interviews 24 Jugendliche, die ?auf der Straße leben?, zu ihrem Gesundheitsverständnis befragt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Gesundheit in den Augen der Befragten physische, psychische und soziale Komponenten umfasst und primär abhängig vom eigenen Verhalten ist. Während Gesundheit angesichts häufiger Beeinträchtigungen für die Jugendlichen meist von großer Bedeutung ist, gelingt es ihnen kaum, dieser im Alltag durch eigenes Handeln gerecht zu werden. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund einer subjektorientierten Gesundheitsförderung diskutiert, die sich an der Lebenswelt und den Bedürfnissen der Betroffenen orientiert und insofern als geeignet erscheint, um die ?schwierige? Zielgruppe der obdachlosen Jugendlichen zu erreichen.

 

Ernährungsvorstellungen und -verhalten obdachloser Jugendlicher

Flick U. & Röhnsch G. (2008). ?Ich nehm? dann wirklich 'ne Apfelsine. Das ist meine Medizin.? ? Ernährungsvorstellungen und -verhalten obdachloser Jugendlicher. In: Ittel, A./ Merkens, H./ Stecher, L./ Zinnecker, J. (Hrsg.): Jahrbuch Jugendforschung. 7. Ausgabe 2007. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaft, S. 255-278

 

Ernährung ist nicht nur ein physiologisches Erfordernis, sondern folgt im Allgemeinen auch psychischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen. Doch inwieweit gilt das unter den Bedingungen von Obdachlosigkeit und sozialer Benachteiligung? Welche Vorstellungen haben Jugendliche, die auf der Straße leben, von einer ? gesunden ? Ernährung, und wie versuchen sie, diesen gerecht zu werden? Solchen Fragen wird hier anhand der Ergebnisse einer qualitativ-empirischen Studie nachgegangen, in der obdachlose Jugendliche zu ihrer Lebenssituation sowie ihren Gesundheitskonzepten und -verhaltensweisen befragt wurden. Vier Typen von Deutungs- und Handlungsmustern lassen sich in Bezug auf Ernährung identifizieren. Diese unterscheiden sich vor allem darin, welche Bedeutung Ernährung zugeschrieben wird und inwiefern es den Jugendlichen gelingt, ihr Ernährungsverständnis im Alltag umzusetzen. Ernährungsvorstellungen und -verhalten der Jugendlichen werden in Bezug gesetzt zu weiterem Gesundheitshandeln der Befragten sowie zu deren lebensweltlichem Hintergrund. Ausgehend von den Ergebnissen dieser Studie werden abschließend mögliche Konsequenzen für eine zielgruppenspezifische Ernährungsberatung aufgezeigt.

 

Körperwahrnehmung obdachloser Jugendlicher

Flick U. & Röhnsch G. (2008). ?Denen geht?s ja dann noch dreckiger, als sie sowieso schon aussehen? ? Körperwahrnehmung im Kontext ?Jugendobdachlosigkeit?. In: Rehberg, K. S. (Hrsg.): Die Natur der Gesellschaft. Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006 (CD-Supplement). Frankfurt/Main: Campus

 

Auf der Straße lebende Jugendliche gelten als besonders gefährdete Gruppe ? durch die aktuellen Lebensbedingungen und das eigene ?riskante? Verhalten. Sehr intensiver Alkohol- und Drogen-Konsum ist gepaart mit aus finanziellen Gründen qualitativ und quantitativ oft ungenügender Ernährung. Gesundheitliche Beeinträchtigungen werden oft ignoriert, so dass die Jugendlichen erst im Notfall zum Arzt gehen. In diesem lebensweltlichen Kontext bündelt sich eine Vielzahl sozialer Probleme: Ausbreitung und Verstetigung der Obdachlosigkeit, Verbreitung sexueller Erkrankungen und verstärktes Auftreten von Gewalt, Prostitution und delinquentem Verhalten. Wenn auch das Risikoverhalten in seiner Phänomenologie sehr unterschiedlich sein kann, besteht eine Gemeinsamkeit darin, dass vielfältige soziale und lebensweltliche Probleme sich in einer unangemessenen Wahrnehmung des (eigenen bzw. fremden) Körpers und einem unangepassten Umgang mit dem Körper manifestieren. Der Zusammenhang zwischen der Körperwahrnehmung und der Lebensweise obdachloser Jugendlicher wird hier behandelt auf der Basis von Interviews aus einem DFG-Projekt zum Gesundheitsverhalten von Straßenjugendlichen in Bereichen wie Alkohol- und Drogenkonsum, Sexualverhalten, Ernährung, Umgang mit Beeinträchtigungen und Inanspruchnahme formeller Hilfen. Dabei zeigt sich u.a., dass sich die Repräsentation sozialer Probleme und gesundheitlicher Beeinträchtigungen auch entlang der Dimension ?mein Körper und die Körper der Anderen? beschreiben lässt. Die Jugendlichen unterscheiden sich darin, ob sie (1) nur anderen Jugendlichen extremes körperliches Leiden unterstellen, wogegen der eigene körperliche Zustand und die eigene Lebensweise positiv erscheinen; (2) ausschließlich den Körper anderer Szenemitglieder als potentielle Infektionsquelle wahrnehmen, wogegen der eigene (?reine? und ?unbefleckte?) zu schützen ist oder (3) den Körper der Anderen als ?weich?, den eigenen jedoch als hart und unberührbar wahrnehmen. Beispiele solcher Körperwahrnehmungen werden für den Umgang mit sozialen Problemen diskutiert, um Konsequenzen für eine zielgruppenspezifische Prävention abzuleiten.

 

Inanspruchnahme ärztlicher Unterstützung durch chronisch kranke obdachlose Jugendliche

Flick U. & Röhnsch G. (2008). Inanspruchnahmeverhalten chronisch kranker obdachloser Jugendlicher. In: Gesundheit Berlin (Hrsg.): Dokumentation 13. Kongress Armut und Gesundheit "Teilhabe stärken - Empowerment fördern - Gesundheitschancen verbessern!" und Satellitenveranstaltung "Mehr Gesundheit für alle: Gesunde Lebenswelten gestalten". CD-ROM, Gesundheit Berlin e.V.

 

Jugendliche, die chronisch krank sind und auf der Straße leben, haben einen hohen Bedarf an gesundheitlichen (und sozialen) Hilfen. Aus verschiedenen Gründen nehmen sie jedoch reguläre medizinische Versorgungsangebote eher selten in Anspruch. So fällt es den Betroffenen schwer, die Zuzahlungen zu unterschiedlichen medizinischen Leistungen aufzubringen und Behandlungsempfehlungen unter den Unwägbarkeiten des Straßenlebens umzusetzen. Außerdem bestehen gegenüber Ärzten und deren meist schulmedizinisch ausgerichteten Therapieplänen ohnehin oft starke Vorbehalte. Ausgehend von den Daten eines DFG-Projekts, wird während des Vortrags das Inanspruchnahmeverhalten von chronisch kranken obdachlosen Jugendlichen näher analysiert, wobei vor allem die subjektiven Sichtweisen der Betroffenen im Mittelpunkt stehen. An parallel zu den Interviews mit den Jugendlichen durchgeführten Experteninterviews lässt sich zudem zeigen, inwieweit Mitarbeiter von gesundheitlichen und sozialen Einrichtungen, an die sich die Jugendlichen wenden, in der Versorgung der Betroffenen ein Defizit sehen und wie dieses zu beheben sein könnte.

 

Krankheitserleben und -verhalten von chronisch kranken obdachlosen Jugendlichen

Flick U. & Röhnsch G. (2009). ?(?) da bin ich eigentlich der Außenseiter, und das ist das Schlimmste.? ? Krankheitserleben und -verhalten von chronisch kranken obdachlosen Jugendlichen. In: Otto, H. J./ Oelerich, G. (Hrsg.). Empirische Forschung und Soziale Arbeit. Ein Studienbuch. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaft (i. Dr.)

 

In der sozialen Arbeit ist empirische Forschung häufig mit dem Ziel verbunden, die Lebenssituation sozial benachteiligter Gruppen besser zu verstehen, um daraus zielgruppen- und lebensweisenspezifische Angebote abzuleiten. Die Lebenssituation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ?auf der Straße? gilt in verschiedener Hinsicht als problematisch. So haben die Betroffenen in ihren Herkunftsfamilien emotionale Vernachlässigung oder physische und psychische Gewalt erfahren und verfügen meist nur über geringe Chancen auf eine schulische oder berufliche Ausbildung. Zugleich verweigern sie diese oft auch, lehnen herkömmliche Zukunftsentwürfe ab und erregen stattdessen mit einer provokant wirkenden Lebensgestaltung die allgemeine Aufmerksamkeit. Damit werden Straßenjugendliche zu einer besonderen Herausforderung für die Sozialarbeit, insbesondere im Bereich der Jugendhilfe. Dagegen bleiben gesundheitliche Aspekte ihrer Lebenslage, die davon geprägt ist, dass die Betroffenen Gesundheitsrisiken wissentlich eingehen, diesen aber auch ausgesetzt sind, in der öffentlichen Debatte eher unterbeleuchtet. Ausgehend von einer eigenen empirischen Studie, steht daher im Mittelpunkt dieses Beitrages die Frage, wie obdachlose Jugendliche, die chronisch krank sind, ihre Beeinträchtigung erleben und mit ihr umgehen.

 

Umgang mit chronischer Krankheit aus der Sicht von Experten

Flick U. & Röhnsch G. (2009): ?Ich sehe, dass Menschen vor Diagnosen davonlaufen? ? Chronische Krankheit jugendlicher Obdachloser aus der Sicht von Experten. In: Groenemeyer, A. (Hrsg.): Doing social problems. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaft (i. Vorb.)

 

Chronisch krank und Leben auf der Straße ? aus diesen beiden Problemlagen resultiert für die betroffenen Jugendlichen eine doppelte Vulnerabilität. Damit werden sie zu potentiellen Klienten einer Reihe sozialer und gesundheitsbezogener Dienstleistungen ? wenn sie diese in Anspruch nehmen. Aus der Sicht der Jugendlichen auf die entsprechenden Dienste, die Institutionen und deren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf der einen Seite und aus deren Wahrnehmung der (potentiellen) Klientel auf der anderen Seite entsteht ein komplexes Interaktionsgefüge. Im positiven Falle kann es zur (besseren) Bewältigung der chronischen Krankheit unter den Bedingungen des Straßenlebens beitragen. Im negativen Falle kann das Auseinanderklaffen von Erwartungen und Wahrnehmungen auf beiden Seiten zur Verstetigung und Intensivierung von Krankheit und der Zugehörigkeit zur Szene auf der Straße beitragen.

Dieser Beitrag behandelt die Problemrepräsentationen bei ExpertInnen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen, die mit chronisch Kranken Jugendlichen auf der Straße arbeiten. Er basiert auf Ergebnissen des DFG-Projektes ?Chronisch kranke obdachlose Jugendliche: Belastungen, Anforderungen und Bewältigungsversuche aus Sicht von Betroffenen und Professionellen?. Darin wurden aus einer mikrosoziologischen Perspektive Jugendliche interviewt und beobachtet und parallel Ärzte und Sozialarbeiter aus verschiedenen Institutionen befragt. Dabei zeigt sich, wie die Wahrnehmung der Jugendlichen bei den Experten zwischen ?Opfer der Straße? und ?selbst Schuld? oszilliert. An den Sichtweisen der Jugendlichen wird auch deutlich, wie und warum sie bestimmte Angebote der vorhandenen Dienste nicht nutzen. Schließlich lässt sich zeigen, wie aus dem Aufeinandertreffen und Auseinanderfallen von Sichtweisen und Einschätzungen das spezifische ?doing social problems? in diesem Feld resultiert.

Dieser Prozess wird auf die Gestaltung angemessener Primärprävention für diese vulnerable Gruppe beleuchtet.