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alice solidarisch - Die ASH Berlin engagiert sich

Kontakt aufnehmen, Potenziale einbringen, Perspektiven entwickeln!

Aufruf an alle Hochschulangehörigen der Alice Salomon Hochschule Berlin

Berlin, Marzahn-Hellersdorf, 30.9.2015. Derzeit kommen täglich mehrere hundert geflüchtete Menschen nach Berlin und auch nach Marzahn-Hellersdorf. Neben zwei Flüchtlingsunterkünften wurden im Eilverfahren jetzt vier große Notunterkünfte eingerichtet.

Als Hochschulleitung der Alice Salomon Hochschule werben wir mit diesem Aufruf dafür, unser Credo, eine "Hochschule in gesellschaftlicher Verantwortung" zu sein, einmal mehr ernst zu nehmen und ins Werk zu setzen. Wir bitten alle Hochschulangehörigen innezuhalten und mit zu überlegen, wie der Beitrag der ASH Berlin im Bezirk, in der Stadt Berlin und darüber hinaus und wie ihr persönlicher gesellschaftlicher Beitrag aussehen kann.

Was uns darin bestärkt
In der Beirats-Sitzung des Projekts PFortE am 10.9.15, in der es um anstehende Aufgaben der Zusammenarbeit von Hochschule und Kommune ging, schilderte der Bezirksbürgermeister von Marzahn-Hellersdorf, Stefan Komoß, eindrücklich die akute Lage. Die kurzfristige Unterbringung sei eine große Herausforderung für die Bezirksverwaltung und viele andere (auch ehrenamtlich engagierte) Akteur_innen. Sie sei aber machbar. Große Sorgen bereite ihm die mittel- und langfristige Integration der asyl- und Aufenthalt suchenden Menschen in die Kommune. Die anwesenden ASH-Vertreter_innen empfanden, dass die Alice Salomon Hochschule als größte Bildungseinrichtung im Bezirk angesichts dieser neuartigen Situation für Gesellschaft und Politik nicht einfach weitermachen könne wie bisher. Sie baten um ein offizielles Signal des Bürgermeisters an die Hochschule, wenn deren Engagement hilfreich und gewünscht sei. Je klarer vom Bezirk mitgeteilt würde, wie und wobei unterstützt werden könne und wer die jeweiligen Ansprechpartner_innen seien, desto sinnvoller und passgenauer könnten Hochschulangehörige ihr Potenzial einsetzen.

Daraufhin hat der Bezirksbürgermeister am 11. September 2015 seine offizielle Bitte um Unterstützung an die ASH gerichtet. Er hat großes Interesse signalisiert, mit uns als Hochschule gemeinsam an den sich ergebenden kurz-, mittel- und langfristigen Herausforderungen zu arbeiten. Er startete parallel dazu eine Umfrage unter den Stadträten von Marzahn-Hellersdorf, um aktuelle Bedarfe zu erfragen. 

Als Hochschulleitung vertreten wir die Position, dass die Alice Salomon Hochschule die (noch) fehlende kommunale Infrastruktur nicht ersetzen, sie maximal punktuell ergänzen kann. Wir haben den gesellschaftlichen Auftrag zu lehren, zu forschen und weiterzubilden. Dieser bindet unsere materiellen und zeitlichen Ressourcen. Außerhochschulisches Engagement wird zwar staatlicherseits immer mehr eingefordert, bisher sieht die Hochschulfinanzierung dafür allerdings bedauerlicherweise keine Mittel vor.

Die aktuellen Veränderungen unserer Gesellschaft sind jedoch nicht nur gravierend, sondern von historischer Dimension. Sie betreffen und berühren uns alle persönlich und beruflich, als Bürger_innen und als Angehörige der größten Bildungseinrichtung des Bezirks.

Es zeichnet sich ab, dass die an unserer Hochschule vertretenen Wissenschaften und Professionen mit diesen Veränderungen unserer Gesellschaft und ihren Konsequenzen in hohem Maße beschäftigt sein werden. Ob wir es wollen oder nicht, wir müssen uns alle auf die eine oder andere Weise den neuen Herausforderungen stellen. Das heißt z.B., uns lokal und global weiter vernetzen, passgenaue Strukturen mit entwickeln, neue Strategien und inhaltliche Schwerpunkte für unsere Berufe und Professionen erdenken und diversitätsorientierte Bildungsideen erforschen und zur Umsetzung bringen.
Als Hochschulleitung nehmen wir diese Herausforderungen positiv an. Gemäß unseres Leitbildes wollen wir uns als Organisation engagieren. Wir wollen Zeichen setzen, unkonventionell und auch ganz praktisch unterstützen, nicht ohne unsere Potenziale nachhaltig einzubringen.

Dafür bedarf es Freiräume, Kommunikation und Koordination. Wir schlagen vor:

  • ein "Mobiles Semester"
  • eine studiengangsübergreifende Projektwoche
  • die Erarbeitung eines sichtbaren "Roten Fadens"


Wir stellen dafür

  • eine Projektkoordination zur Verfügung.


"Mobiles Semester"
Hiermit regen wir die Hochschulangehörigen dazu an, sich sehr konkret und auch praktisch mit den sich aktuell ergebenden Fragestellungen und Herausforderungen zu beschäftigen und dabei auch „die Füße vor die Türe der Hochschule setzen“ oder bisher noch nicht beschrittene Wege zu gehen: in Kontakt und Zusammenarbeit mit geflüchteten Menschen, mit Anwohner_innen, mit professionellen Helfer_innen, mit politisch Engagierten u.a.m. Dies kann z.B. durch aktives Einbringen in gemeinsame Projekte von Hochschule und Bezirk sein, durch eine spezifische Akzentuierung von Seminaren stattfinden oder durch eine Seminareinheit, die sich theoretisch, methodisch und/oder praktisch mit der Situation der Geflüchteten in Marzahn-Hellersdorf, mit politischen Fragen oder Fragen der Professionsentwicklung beschäftigt. Dies kann auch durch Engagement in der Weiterbildung geschehen oder durch andere Varianten der Sensibilisierung für menschliche Notlagen in unserer Nachbarschaft.

Studiengangsübergreifende Projektwoche
Um Raum für Ideenentwicklung und die Gestaltung nachhaltiger, auch studiengangsübergreifender Angebote unter Beteiligung aller Mitgliedergruppen und unter Beteiligung gesellschaftlicher Akteur_innen zu eröffnen, werden wir dem Akademischen Senat in seiner Sitzung vom 13.10.2015 vorschlagen, eine "Projektwoche" zu beschließen. Diese wird von der Hochschulleitung – zusätzlich zu den üblichen und bereits terminierten und ggf. auch schon eingeplanten Blockwochen – voraussichtlich für die dritte Januarwoche, ab dem 18.1.16 beantragt. Unser Vorschlag ist, sich in dieser Woche sehr konkret mit einem der für die kommunale soziale Wirklichkeit wichtigen Themen zu beschäftigen.
Die Idee ist, dass in dieser Woche der Unterricht ersetzt werden kann durch zahlreiche theoretisch, konzeptionell, methodisch und/oder praktisch orientierte Arbeitsgruppen und/oder Projekte. Diese können von allen Mitgliedergruppen der Hochschule sowie auch von Akteur_innen aus dem Bezirk oder Akteur_innen aus der Flüchtlingsarbeit u.ä. seminar- und studiengangsübergreifend angeboten und besucht werden. Die genaue Begründung des Zeitraums sowie Vorschläge für die interne/externe Koordination und Konzeption der Woche werden dem AS am 13.10.2015 vorgestellt und zur Diskussion gestellt. Die Sitzung des Akademischen Senats ist wie immer öffentlich und findet voraussichtlich ab 10 Uhr in Raum 301 statt.

"Roter Faden"
Über das Semester hinweg wird ein inhaltlicher und terminlicher "Roter Faden" entwickelt. Dieser wird auf unserer Website unter www.ash-berlin.eu/profil/alice-solidarisch/ veröffentlicht und regelmäßig ergänzt. Der "Rote Faden" wird unterschiedliche Veranstaltungen rund um die "alice in gesellschaftlicher Verantwortung" ausweisen.

Koordination
Die Koordination des Gesamtprojekts übernimmt federführend Elène Misbach. Ihre Kontaktdaten: misbach@ash-berlin.eu. Bitte wenden Sie sich mit Nachfragen und Vorschlägen an sie oder die Prorektorin für Kooperationen Bettina Völter: voelter@ash-berlin.eu.

Wir freuen uns über alle, die sich auf engagierte, originelle Weise einbringen und zeigen, dass sich die Alice Salomon Hochschule kontextbewusst, engagiert, fachlich kundig, gestaltend, mutig und mit längerfristiger Orientierung auf die gegebene soziale Situation einlassen kann.


Uwe Bettig (Rektor)

Nils Lehmann-Franßen (Prorektor für Studium und Lehre)

Andreas Flegl (Kanzler)

Bettina Völter (Prorektorin für Forschung und Kooperationen