ASH Berlin / Profil / Frauenbeauftragte / Unterstützung bei Sexueller Belästigung und Diskriminierung / Handlungsmöglichkeiten

Handlungsmöglichkeiten während und nach der Belästigung

Manchmal ist es möglich in der konkreten Situation gegen die erlebte sexuelle Belästigung zu intervenieren. Das kann von verschiedenen Faktoren abhängen, z.B. in was für einem Verhältnis die betroffene Person zu der belästigenden Person steht. Oft braucht es viel Selbstvertrauen und Mut sich direkt zur Wehr zu setzen.

Die nachfolgenden Handlungsmöglichkeiten sollen helfen, sich im akuten Fall zu verhalten, ohne aber diejenigen abzuwerten, die sich dazu nicht in der Lage fühlen und sich anders entscheiden.

Die eigenen Empfindungen ernst nehmen: Es fällt oft schwer eine erlebte Situation als Belästigung zu erkennen. Entweder aus eigener Scham und Unsicherheit oder weil sich alles sehr subtil und unterschwellig abspielt. Deswegen ist es immer wichtig auf die eigenen Empfindungen zu achten und diese ernst zu nehmen, um nicht von vorne herein die eigene Perspektive in Frage zu stellen.

Belästigung zurückweisen/ Offensives und aktives Vorgehen: Sollte es möglich sein, ist eine offensive und aktive Reaktion direkt beim ersten belästigenden Vorfall sinnvoll. Mögliche Gegenwehr könnte bedeuten:

  • Die belästigende Person zur Rede stellen/ konfrontieren und klar die erlebte Belästigung benennen.
  • Eine Beschwerde/ Anzeige androhen
  • Ankündigen, anderen von der Tat zu erzählen
  • Direkte körperliche Gegenwehr

Sich anderen anvertrauen: Gespräche mit Vertrauenspersonen können oft entlastend wirken. Vielleicht haben andere auch schon negative Erfahrungen mit der belästigenden Person gemacht?

Tathergang schriftlich festhalten und Zeug_innen suchen: Alles so früh wie möglich genau zu dokumentieren, ist im Falle einer Anzeige oder Beschwerde von großem Vorteil. Es ist außerdem sinnvoll, E-Mails, Briefe, SMS etc. aufzubewahren und mögliche Zeug_innen anzusprechen.

Frauen*beauftragte/ Personalrat: Ein vertrauliches Gespräch mit den Frauen*beauftragten bzw. dem Personalrat ist vor allem dann zu empfehlen wenn die Belästigung, vielleicht auch trotz Gegenwehr, wiederholt auftritt. Aber auch bei eigener Unsicherheit wie Situationen zu bewerten sind oder bei sonstigem Gesprächsbedarf sind die Beratungsangebote der Hochschule immer eine gute Anlaufstelle. Die Beratung erfolgt vertraulich und es werden nur Informationen weiter gegeben, wenn die oder der Betroffene das explizit wünscht. Die Frauen*beauftragten können auch bei weiteren Gesprächen und Handlungsschritten unterstützen.

Beratungsstellen: Außerhalb der Hochschulen gibt es unterschiedliche Beratungsangebote, die professionell beraten. Einen Überblick gibt es hier:
http://www.frauen-gegen-gewalt.de/organisationen.html

Offizielle Beschwerde/ Anzeige: Sollten die eigenen Gegenwehrstrategien nicht ausreichen, gibt es auch immer die Möglichkeit weitere Maßnahmen einzuleiten. Diese hängen von der dienst-, arbeits- oder hochschulrechtlichen Position

des/der Beschuldigten ab. Dazu sollten die Frauen*beauftragten bzw. der Personalrat kontaktiert werden. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, sich direkt an die Hochschulleitung zu wenden.

Informelle Maßnahmen können die Situation entschärfen und im Einzelfall dementsprechend sinnvoll sein. Dabei ist Unterstützung für das Gespräch sehr hilfreich. Dafür können die Frauen*beauftragten angesprochen werden. Informelle Maßnahmen können sein:

  • Persönliches Gespräch der betroffenen Person und/oder einer Person ihres Vertrauens mit dem/der Beschuldigten
  • Persönliches Gespräch einer/eines Vorgesetzten und/oder einer Person aus der Gruppe der möglichen Ansprechpartner/innen (z. B. Frauen*beauftragte, Personalrat) mit dem/der Beschuldigten unter Hinweis auf das Verbot von sexueller Diskriminierung, Belästigung und Gewalt.
  • Die betroffene Person hat das Recht, ihre Beteiligung an informellen und hochschulinternen Schritten abzulehnen bzw. sich vertreten zu lassen.

Formelle Maßnahmen können helfen, wenn das Verhalten der belästigenden Person nach den ersten Gegenmaßnahmen nicht aufhört oder so schwerwiegend sein, dass allein persönliche Gespräche nicht ausreichen. Dann muss gegebenenfalls die Leitungsebene eingeschaltet und dienstrechtliche Schritte in Betracht gezogen werden. Formelle Maßnahmen können sein:

  • Durchführung eines formellen Dienstgesprächs
  • mündliche oder schriftliche Belehrung
  • schriftliche Abmahnung
  • Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz  innerhalb oder außerhalb der Hochschule
  • Ausschluss von einer Lehrveranstaltung
  • Ausschluss von der Nutzung von Hochschuleinrichtungen
  • Hausverbot
  • Exmatrikulation
  • fristgerechte oder fristlose Kündigung
  • Einleitung eines Disziplinarverfahrens und Verhängung von Disziplinarmaßnahmen, welche Verweise, Geldbußen, Gehaltskürzungen, Versetzung oder die Entfernung aus dem Dienst umfassen können
  • Strafanzeige