Sich umzuentscheiden gehört zum Selbstfindungsprozess
Bachelor-Absolventin Annette Flemig arbeitet als Erzieherin in einer Schule
Frau Flemig, wie war Ihr Studienverlauf an der ASH Berlin?
Bereits vor Studienbeginn des Bachelors „Erziehung und Bildung im Kindesalter“ (EBK) war ich fest davon überzeugt, meine Abschlussarbeit zum Thema Deutsche Gebärdensprache zu verfassen. Im Laufe der Zeit interessierte ich mich jedoch zunehmend für die Themen Kommunikation und Förderung des sprachlichen Ausdrucks. Im Studium bin ich zum Poetry Slam gekommen und konnte im Rahmen meiner Abschlussarbeit die sprachfördernde Wirkung eines entsprechenden Schulprojektes mit Grundschulkindern untersuchen.
Haben Sie nebenher Praktika oder andere praktische Erfahrungen sammeln können?
Praktische Erfahrungen konnte ich im Vorpraktikum, in den zwei Pflichtpraktika sowie im Schulprojekt zu meiner Abschlussarbeit sammeln. Die Praxisphasen waren jedoch zu kurz. Der Unterschied von Theorie zu Praxis ist oft enorm, sodass eine bessere Verknüpfung angestrebt werden muss und die Praxisphasen länger angelegt werden sollten.

Wie haben Sie den Berufseinstieg erlebt?
Für mich kam eigentlich nur die Arbeit in einer Grundschule infrage. Und ich hatte das Glück, mit lediglich einer Bewerbung auf eine Stellenausschreibung eine Arbeitsstelle zu finden. Der Tipp zur Ausschreibung kam von einer Kommilitonin per E-Mail, während ich an meiner Bachelorarbeit schrieb, mit dem Hinweis darauf, dass eine Schule pädagogisches Personal sucht. So arbeite ich nun an der Kirsten-Boie-Schule. Das ist eine kleine private Schule mit derzeit zwei Lerngruppen – je eine mit Schüler/-innen der Klassenstufen 1 und 2 sowie 3 und 4. Dort bin ich als Erzieherin tätig und momentan für beide Lerngruppen zuständig – sowohl im Unterricht als auch während der Hortzeit.
Wie ist Ihr beruflicher Werdegang bis jetzt verlaufen?
Ich habe bereits eine Ausbildung zur Fachinformatikerin für Systemintegration abgeschlossen und in diesem Beruf gearbeitet. Im März 2005 kam meine Tochter zur Welt und nach der Elternzeit bestand für mich die Möglichkeit, mich beruflich neu zu orientieren. In meinem jetzigen Job kann ich viel aus meinem zuerst erlernten Beruf anwenden und weitergeben.
Gab es Hilfen während des Studiums in Bezug auf den späteren Berufseinstieg?
Herr Lorenz von der Karriereplanung der ASH half mir, meine Bewerbungsunterlagen hinsichtlich unvorteilhafter Formulierungen zu bearbeiten und simulierte ein Vorstellungsgespräch. Das hat mich gut auf eventuell schwierige Fragen vorbereitet.
Welche im Studium erworbenen Kompetenzen erweisen sich bei Ihrer jetzigen Arbeit als hilfreich?
Ein Beispiel ist das korrektive Feedback, wobei dem Kind nicht sein falsch gesprochenes Wort oder sein falsch gesprochener Satz vorgehalten, sondern der jeweilige Teil korrigiert wiederholt wird, z. B. eingebaut in eine Nachfrage oder Bestätigung zur Aussage an das Kind. Das habe ich, bevor ich im Studium erstmals davon erfuhr, zunächst unbewusst bei meiner Tochter angewendet und verwende es auch in meiner jetzigen Arbeit mit Kindern.
Können Sie Studierenden Tipps geben, wie sie sich schon während der Studienzeit auf den späteren Beruf bzw. die Berufswahl vorbereiten können?
In sich hineinhören, auf die eigene Stimme und auf das eigene Bauchgefühl hören und diesem folgen. Praktika, Weiterbildungsveranstaltungen usw. danach auswählen. Ich finde es wichtig, Umentscheidungen zuzulassen, denn sie gehören zum Selbstfindungsprozess. Und jeder sollte Möglichkeiten suchen, mit dem Personal aus der Praxis ins Gespräch zu kommen. Sei es die Leitung der Kita, in die das eigene Kind geht, oder Mitarbeiter des Jugendclubs nebenan. Auch Veranstaltungen anderer Einrichtungen bieten gute Gelegenheiten für den Austausch mit „Kollegen“.
Das Interview führte Barbara Halstenberg
Erstveröffentlichung in: alice - Magazin der Alice Salomon Hochschule Berlin Nr. 22/2011