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Wer an sich glaubt, kann auch gewinnen!

Diplom-Absolventin Sarah Kokigei arbeitet als Integrationsberaterin

Ein Alumni-Porträt von Barbara Halstenberg.

Sarah Kokigei versucht, ihren Klienten Mut zu machen, nach dem Motto: „Frau Kokigei hat es geschafft, dann kann ich es auch schaffen.“ Die ehemalige Studentin der ASH sitzt aufgrund einer Spastik im Rollstuhl und arbeitet im Integrationsfachdienst (IFD) Berlin Südwest, einem Vermittlungsangebot für Menschen mit schweren Behinderungen. Bis sie an diesem Punkt ihrer Karriere angekommen ist, hat sie einige andere Stationen hinter sich gelassen.

2006 schließt Sarah Kokigei ihr Diplom zur Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin ab und beginnt nach kurzer Arbeitslosigkeit eine 3-monatige Probebeschäftigung am integrativen Gymnasium in Birkenwerder. Dort vermittelt sie Schüler/-innen in Berufspraktika. Im Anschluss bekommt sie eine befristete Anstellung bei der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, wo sie für die Umsetzung des Investitionsprogramms 2008–2013, auch bekannt als Krippenausbauprogramm, mitverantwortlich ist. Sie unterstützt dort Träger von Kindertagesstätten bei der Antragstellung von Fördergeldern.

Nach einem Auflösungsvertrag bekommt sie einen Tipp von ihrem Integrationsberater vom Integrationsfachdienst über eine freie Stelle. Sarah Kokigei bewirbt sich und wird genommen. Endlich ist sie da gelandet, wo sie hin wollte. Im Nachhinein muss sie bei der Erinnerung an die Arbeitssuche schmunzeln. Immer wieder hat sie sich während der Zeit in Geduld geübt und sich gesagt, dass sie es schaffen werde. Immer wieder hat sie sich aber auch vor Augen gehalten, was schon hinter ihr lag, ein abgeschlossenes Studium und die Bemühungen um einen Arbeitsplatz.

Seit 2009 arbeitet die Beraterin nun beim Integrationsfachdienst, dessen Auftraggeber das Integrationsamt im Landesamt für Gesundheit und Soziales ist, das berlinweit sieben regionale und drei Spezialdienste fördert. Der IFD ist wiederum bei der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH, Akademie Berlin, angesiedelt. Die FAW gGmbH ist ein bundesweiter wirtschaftsnaher Bildungs- und Personaldienstleister. Rund 2 050 Mitarbeiter in 31 Akademien und 150 Außenstellen setzen sich intensiv dafür ein, Arbeitslosen und von Arbeitslosigkeit bedrohten Menschen neue Perspektiven zu schaffen oder Arbeitnehmern den beruflichen Aufstieg zu ermöglichen. Bei allen Angeboten steht das Lernen in der Praxis – wohnortnah und individuell – im Vordergrund. Ein Schwerpunkt der Berliner Akademie ist die erfolgreiche (Re-)Integration von Menschen mit Behinderungen in die Arbeitswelt.

Sarah Kokigeis Aufgabe besteht darin, mit den Klienten und Klientinnen ihre Be-
werbungsunterlagen zu optimieren, zu schauen, wo sie gerne arbeiten möchten
und können. Ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit ist aber auch, die Klienten bei
ihrer Behinderungsbewältigung zu unterstützen. Häufige Fragen drehen sich
um den Umgang der Behinderung mit der Arbeitssituation. Die Beraterin leistet viel Motivationsarbeit und versucht, ihren Klientinnen und Klienten Selbstvertrauen zu vermitteln, dabei hilft ihr oft die eigene persönliche Erfahrung.

Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Beratung von Arbeitgebern über mögliche
Förderungen bei der Einstellung eines Mitarbeiters mit Behinderung. Sarah
Kokigei muss Ängste nehmen und Unsicherheiten abbauen. Dabei muss sie
Selbstverständliches vermitteln, nämlich dass ein Mensch mit Behinderung Fähigkeiten und Qualifikationen hat und seine Behinderung ihn bei seiner Arbeit
nicht zwingend einschränkt. Frau Kokigei leistet hier ganze Überzeugungsarbeit.
„Man muss den Menschen klarmachen, dass eine Behinderung nichts Negatives
ist, sondern viele positive Aspekte hat.“So haben Menschen mit Behinderungen
beispielsweise auf bestimmte Situationen einen anderen Blickwinkel, der
für das Unternehmen bereichernd sein kann. „Bedeutend für mich ist auch, das
Bewusstsein dafür zu schärfen, dass die Behinderung nichts Besonderes ist, sondern dazugehört“, erklärt Frau Kokigei. Sie informiert die Unternehmen auch darüber, dass behinderungsbedingte Nachteile durch finanzielle Unterstützung
seitens der Bundesagentur für Arbeit ausgeglichen werden können und dass
das Integrationsamt bei der behinderungsbedingten Arbeitsplatzausstattung
unterstützend zur Seite steht.

Sarah Kokigei hat viel zu tun und ist zufrieden dabei. Anderen Studierenden rät
sie, so früh wie möglich praktische Erfahrungen zu sammeln und persönliche
Kontakte zu knüpfen. Das sei beim Berufseinstieg sehr wichtig. An ihre Studi-
enzeit erinnert sie sich gern. Und obwohl die organisatorischen Abläufe, zumin-
dest die Raumplanung, ihrer Meinung nach verbessert werden könnten, hat sie
sich an der ASH wohlgefühlt.

Erstveröffentlichung in: alice - Magazin der Alice Salomon Hochschule Berlin Nr. 21/2011