MAAL

Entwicklung eines berufsbegleitenden, interdisziplinären Masterstudiengangs im Bereich Ambient Assisted Living

Projektlaufzeit: 01.10.2011 bis 31.07.2014

Projektleitung: Prof. Dr.-Ing. Gerhard Hörber (HTW Berlin)

Teilprojektleitung: Prof Dr. Ingrif Kollak (ASH Berlin)

Projektmitarbeiterinnen an der ASH: Wibke Hollweg (Diplom-Logopädin), Franziska Kuck B.Sc.

Exkurs: Was ist Ambient Assisted Living - AAL?
AAL ist ein Überbegriff für vernetzte Technologien, (Kommunikations-)Systeme und Designs mit dem Zweck, für Menschen mit Behinderungen oder ältere Menschen mehr Selbstständigkeit und eine höhere Lebensqualität in all ihren Lebensbereichen (Wohnen, Arbeiten, Mobilität, Hobbys etc.) zu schaffen.

Das Konzept des Ambient Assisted Living bewegt sich in einem Feld, das auf der einen Seite von Entwicklungen aus dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien inspiriert wird: Ambient Intelligence, Ubiquitous Computing und Smart Living sind hier die Stichworte. Auf der anderen Seite stehen Ideen aus dem Bereich des Designs, etwa das amerikanische Konzept des Universal Design bzw. das europäische Konzept des „Designs für Alle“ (Design for all).

Beispiele für AAL:

  • Praktische und zugleich schöne Designs von Bedienungsarmaturen, die nicht an Hilfsmittel denken lassen.
  • Interaktiver Wohnraum mit Bewegungssensoren, die das Bewegungsverhalten der Bewohner registrieren und zum Beispiel bei einem Sturz automatisch einen Notruf auslösen können. Der Nutzen besteht zum einen in der Entlastung von pflegenden Angehörigen, welche sich nicht ganztägig um die pflegebedürftige Person kümmern können. Zum anderen vermittelt es dem Betroffenen selbst Sicherheit.

Mit welchen Frage- und Problemstellungen befasst sich AAL?

Technik kann in vielen Bereichen Menschen unterstützen, jedoch eröffnet sich dabei gleichzeitig ein Spannungsfeld zwischen individuellen Bedürfnissen und – relativ – standardisierter, massengefertigter Technik. Diese Kontroverse verdeutlicht die Notwendigkeit von neuen Strategien, von Geschäftsmodellen und Fachkräften, welche es ermöglichen, Technologien zur Alltagsunterstützung für spezifische Nutzergruppen zu entwickeln.

 

Firmen fragen sich dementsprechend:

  • Welche Produkte helfen Menschen mit spezifischen Bedürfnislagen, unabhängig und selbstbestimmt ihren Alltag zu leben?
  • Welche Anforderungen haben ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen an das Produktdesign und an die Bedienbarkeit von Geräten?
  • Welche allgemeinen Bedarfe sind anhand der epidemiologischen Daten vorherzusehen, die über das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung vorliegen?

Es fehlen im Moment spezialisierte Fachkräfte, die diese Analysen durchführen können. Weiterhin denken pflegebedürftige Personen und Pflegende bei alltäglichen Problemen möglicherweise an technische Unterstützungsmöglichkeiten, etwa für die Anfrage, Planung und Dokumentation von Pflegedienstleistungen oder für die Koordination der Arzneimittelversorgung. Sie sehen Verbesserungspotentiale und haben lösungsorientierte Ideen, allerdings fehlen adäquate Ansprechpartner.

Neben diesen Herausforderungen, welche im direkten Zusammenhang mit der Produktion stehen, gibt es natürlich auch ethische Fragestellungen zu beantworten:

  • Wer hat welche Bedürfnisse?
  • Wie solle diese technologische Unterstützung finanziert, wie und an wen soll was verteilt werden? (Fragen der Allokation)
  • Wem können spezielle Anpassungs- und Übersetzungsleistungen angeboten werden? (Kultur- und Gender-Sensibilität)

Wie in allen Bereichen, in denen sensible Daten über vernetzte Systeme ausgetauscht und ausgewertet werden, spielt auch bei AAL-Technologien der Datenschutz eine wichtige Rolle.

Zielsetzung des Masterstudiengangs MAAL:
Die Studierenden sollen, vor dem Hintergrund der genannten Fragestellungen, sowohl Produkte nachträglich barrierefrei gestalten, als auch in Bezug auf die Bedarfsplanung, Entwicklung und Anpassung von Produkten von einer spezifischen Nutzergruppe ausgehen. Dazu gilt es bestehendes Know-how und existierende Bauteile unter neuen Gesichtspunkten zu kombinieren, damit beispielsweise kommunale Versorgungsstrukturen effizient genutzt werden können.

Zusammenfassung des Forschungsprojekts:
Das Projekt möchte das Thema technische Assistenzsysteme (z. B. für ältere oder behinderte Menschen) einem breiten Publikum bekanntmachen: Sowohl Studierende als auch Berufstätige sollen dafür sensibilisiert werden und sich über Weiterbildungen, Projektseminare und Ähnliches informieren können. In Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) wird auch der berufsbegleitende, interdisziplinäre Masterstudiengang im Bereich Ambient Assisted Living entwickelt und an der HTW angeboten. Einzelne Module des Studiengangs sollen im Rahmen der Fort- und Weiterbildung einem breiten Publikum angeboten werden.

Im Rahmen des über drei Jahre laufenden Projektes „MAAL“ erforscht die ASH Berlin die Herausforderungen, die durch den technischen Fortschritt sowie den demografischen Wandel insbesondere auf die Pflege zukommen. Unter anderem wurde eine Befragung von Pflegekräften in Berlin durchgeführt. Diese wurden als Expertinnen und Experten für den Einsatz von technischen Hilfsmitteln und neuen Technologien in der Pflege nach ihren bisherigen Erfahrungen sowie nach Ideen und Verbesserungsvorschlägen gefragt.

Erkenntnisse über neue berufliche Anforderungen sollen dann auch zu Empfehlungen für veränderte Ausbildungsinhalte und Qualifizierungsstrukturen führen. Interdisziplinäres Zusammenarbeiten mit Angehörigen technischer Berufe wäre ein Beispiel für ein wichtiges Thema in der Pflegeausbildung. Auch sollte eine größere Anzahl von primärqualifizierenden Pflegestudiengängen zur Verfügung gestellt werden, um durch die Akademisierung den komplexeren Berufanforderungen gerecht zu werden.

Zusammen mit der HTW Berlin und weiteren Partnern entwickeln wir den neuen Masterstudiengang "MAAL". Der Studiengang richtet sich an Bachelor-Absolventen aus den Bereichen Humanwissenschaften (z. B. B.A. Soziale Arbeit, B.Sc. Gesundheits- und Pflegemanagement, B.A. Erziehung und Bildung im Kindesalter, B.Sc. Physiotherapie/Ergotherapie), Ingenieurwissenschaften und Design, die dann fächerübergreifend unterrichtet werden. Die Studierenden sollen für Entwicklung, Produktion und Design von AAL-Technologien sowie für Beratung, Planung und Evaluierung des Einsatzes von AAL-Technologien ausgebildet werden. Als Hochschule mit den Schwerpunkten „Gesundheit, Erziehung und Soziales“ möchten wir in dem neuen Studiengang Kenntnisse über kommunale Dienstleistungs- und Versorgungsstrukturen im Pflege- und Gesundheitsbereich vermitteln. Hierbei geht es uns insbesondere um die Verankerung partizipatorischer Forschungsmethodik. Dies soll sowohl in der Beteiligung Studierender bei der Entwicklung des Studiengangs als auch im Hinblick auf die für den Studiengang zu entwickelnden Inhalte deutlich werden. Dadurch sollen die Studierenden bei der Produktentwicklung von Anfang an lernen, die Perspektive der Nutzer zu berücksichtigen. Wir eröffnen somit über Methoden wie auch über Inhalte einen Zugang dazu, dass die Absolventen des Masterstudiengangs die Anforderungen und Bedürfnisse von Menschen im Umgang mit Technik erkennen und die in bestimmten sozialen Gruppen vorliegenden Bedarfe ermitteln können. 

Das Projekt „MAAL“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen folgender Projektlinie gefördert:
„Entwicklung von beruflichen und hochschulischen Weiterbildungsangeboten und Zusatzqualifikationen im Bereich Altersgerechter Assistenzsysteme – QuAALi“

Webseite: maalprojekt.htw-berlin.de 

Prof. Dr. Ingrid Kollak

Professorin für Pflegewissenschaften

Raum 409

Sprechzeiten nach Vereinbarung

T +49 30 99 245 409

Ingrid Kollak