Intervision. Inter...- wie? Welche Vision ?

Kollegiale Beratung meint: Problemlösungen gemeinsam entwickeln

Vom Jahresanfang bis Mitte April 2011 wurden etwa 20 Angehörige der Hochschule, Lehrende und Beschäftige der Verwaltung zu ‚Intervisor/-innen’ geschult (vgl. letzter Newsletter der ASH). Das Konzept der ‚Intervision’ oder auch ‚Kollegialen Beratung’ fußt auf der einfachen Idee, dass Menschen, die in der gleichen Einrichtung arbeiten, sich wechselseitig fachkompetent und effizient bei beruflichen Problemen beraten können, wenn die hierfür notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen und eingehalten werden. In drei Untergruppen und fünf Tagesworkshops lernten wir das Beratungsmodell, den Intervisionsprozess kennen und trainierten Methodik und Rollenverständnis als Intervisor/-in.

Wie funktioniert eine Intervision?

Damit die Intervision zum Erfolg führt, ist eine Gruppengröße von mindestens 5 – 6 Personen sinnvoll. Aus dieser Gruppe wird zuerst ein/e Moderator/-in gewählt. Hat sich ein/e Falleingeber/-in mit einer zu lösenden Situation gemeldet, leitet die Moderator/-in durch den Prozess und alle anderen sind kollegiale Beratende. Nach der Fallerzählung wird die Falleingeber/-in gebeten, eine Schlüsselfrage an die Beratenden zu formulieren. Diese analysieren und formulieren zunächst Zusammenhänge und mögliche Ursachen, um im nächsten Schritt Lösungsszenarien zu anzubieten. Die Falleingeber/-in ermittelt aus den Vorschlägen die für das Ziel oder den Wunsch nächstliegende Lösung. Daraus erstellt die Gruppe gemeinsam einen Handlungsplan, der sowohl Teilziele als auch einen Zeitplan beinhaltet. Zur Überprüfung des Erfolgs berichtet die Falleingeber/-in in der nächsten Sitzung. In einer Feedbackrunde evaluiert die Intervisionsgruppe ihre Fallbearbeitung. Gegebenenfalls kann zum nächsten Mal die gewählte Methode verändert werden.

Wie wirkt Intervision?

Mit dem erarbeiteten Handlungsplan bekommt die Falleingeber/-in einen Motivationsschub, sich der geschilderten Situation zu stellen. Die falleingebende Person fühlt sich nicht mehr allein gelassen, es entsteht ein kollegiales Gefühl. Jede/r Berater/-in bringt die eigene Sicht auf die problematische Situation ein, wodurch Perspektivenwechsel oder –erweiterung ermöglicht, Handlungspotenziale eröffnet und eigene Ressourcen zur Umsetzung in ein zieladäquates Verhalten aktiviert werden. Die unterschiedlichen Argumente können in die Arbeitsgestaltung integriert werden, um so eine Verbesserung des Arbeitsablaufs herbeizuführen. Auch die Beratenden werden in ihrer Kompetenz akzeptiert, indem ihre Meinung in den ausgearbeiteten Handlungsplan aufgenommen wird. Gleichzeitig erhalten alle am Beratungsprozess Beteiligten Einsichten in die verschiedenen Bereichs­strukturen und der hieraus entstehenden Arbeitsweisen der unterschiedlichen Abteilungen der Kolleg/-innen.

Die Stärkung der Ressourcen, das Mitteilen und Teilen in der Intervisionsgruppe führt zu psychischer Entlastung und zu größerem Wohlbefinden. Schließlich werden die Kommunikation und der gegen­seitige Austausch gefördert, Moderationskompetenz und Reflexionsfähigkeit erworben sowie Wertschätzung und Anerkennung angeregt. Mittelfristig haben kollegiale Beratungsteams positiven Einfluss auf das ‚Klima’ einer Organisation, das eine der Bedingungen und zugleich ihr wesentlicher positiver Effekt ist: Vertrauensaufbau, kooperative Lern- und Arbeitskultur, die Bereitschaft zu Austausch und Reflexion auf allen Ebenen.

Interesse geweckt?

Intervision ist eine schnell zu erlernende Methode. Die aktiven Intervisor/-innen können neue Kolleg/-innen in die Gruppe aufnehmen und zu neuen Intervisor/-innen „ausbilden“. Der Erfolg für eine Verbesserung kollegialer Kooperation ist garantiert.

von Sam-Lennard Asbeck und Elke Weisgerber

Leitfaden für einen kollegialen Beratungsprozess

nach Anke Schmidt, Dipl-Psych. Trainerin ZAGG GmbH

1. Phase, 5 Min.
Alle: Fallsammlung, Themenspeicher/Flipchart

2. Phase, 5 Min.
Alle: Fallsammlung, Themenspeicher/Flipchart
Rollenverteilung: Falleingeber/-in, Moderator/-in (protokolliert/Flipchart), ggf. Beobachter/-in (achtet auf Zeit/Regeln), die anderen Berater/-in

3./4. Phase, 20 Min.
Falleingeber/-in (F) stellt Istsituation dar
Berater stellen Klärungsfragen, aktives Zuhören

5. Phase, 5 Min.
F formuliert Wunsch, Ziel, Schlüsselfrage

6. Phase
Ursachenrunde: aller außer F (10 Min.)
F bewertet und wählt aus (5 Min.)

7. Phase
Lösungsrunde: aller außer F (10 Min.)
F bewertet und wählt aus(5 Min.)

8. Phase
F formuliert Handlungsplan zur Umsetzung (10 Min)
(Erfolgsprüfung in der nächsten Sitzung, 5 Min.)

9. Phase, 5 Min.
Evaluation, Weiterentwicklung durch die Gruppe: Methoden anpassen, Reflexion, konstruktive Kritik, ggf. Weitergabe an andere Stellen.