Forschung Audioguide "Unfreie Arbeit und Rassismus"

Rassismuskritischer Audioguide durch Berlins Mitte online.

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© Alice Salomon Hochschule Berlin

Am 10. Mai wurde an der Alice Salomon Hochschule Berlin der Audioguide „Unfreie Arbeit und Rassismus“ vorgestellt. Rolf Cantzen, Autor des Audioguides, berichtete, wie hörgerechte Texte produziert werden und welche Rolle dabei neben Inhalten andere Elemente spielen, so dass ansprechende Hörstücke entstehen. Anschließend wurden in drei Sequenzen Ausschnitte aus dem Audioguide eingespielt und ausgewählte Aspekte in einer von Iman Attia moderierten Podiumsdiskussion mit Joshua Kwesi Aikins und Isidora Randjelović vertieft. Vor dem Hintergrund des Wissens in Communities von Schwarzen und Afrikaner_innen zum Kolonialismus bzw. von Sinte_zza und Rrom_nja zum Pharrajmos wurde über Formen des Konsumierens als rassistische Praxis, über Zwangsarbeit in Wissenschaft und Film sowie über die Gegenwart der Geschichte diskutiert. Ausgangspunkt der Auseinandersetzung mit den Themenschwerpunkten waren widerständige Praktiken rassialisierter Gruppen damals und heute, die sich sowohl gegen Rassismus, als auch für den selbstbestimmten Erhalt und die interne Weitergabe von Sprachen und Kulturen richtet. Abschließend berichtete die Bürgerrechtlerin Ilona Lagrene, die eigens aus Mannheim angereist war, über die Bürgerrechtsbewegung von Sinte_zza und Rrom_nja.

Der Audioguide kann auf der Webseite „verwobenegeschichten“ angehört oder mit der kostenlosen App guidemate gelaufen werden. Er wurde von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa gefördert und basiert auf Ergebnissen des vom IFAF Berlin geförderten Projektes „Erinnerungsorte. Vergessene und verwobene Geschichten“. In neun Stationen führt die Tour durch Berlins Mitte und verbindet historische Epochen und Ereignisse mit persönlichen Schicksalen. In Berlin – der Hauptstadt des kolonialen und des nationalsozialistischen Deutschland – ist unfreie Arbeit diskutiert, organisiert, entschieden und umgesetzt worden. Berliner_innen haben davon profitiert und darunter gelitten, sie eingefordert und dagegen Widerstand geleistet. Doch nur wenig erinnert heute daran im öffentlichen Raum.