News, Forschung Bisher unbekannte Manuskripte von Alice Salomon erstmals öffentlich zugänglich

Große Überraschung zum 20. Geburtstag des Alice Salomon Archivs

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Website des Alice Salomon Archivs.

Natürlich waren wir neugierig, als uns im Februar die Nachricht von Mark Jacobs erreichte. Er habe in London Originalmanuskripte seiner Großtante gefunden, die ins Archiv gehörten. Er wolle noch in derselben Woche im ASA vorbeikommen. Mark Jacobs Urgroßtante ist für das Alice Salomon Archiv von besonderer Bedeutung – immerhin handelt es sich um Alice Salomon selbst.

Mark Jacobs war im Archiv kein Unbekannter. Schon 2015 hatte der Urgroßenkel Salomons gemeinsam mit seiner Ehefrau Susan dem Archiv eine Sammlung mit Korrespondenzen übergeben, die etliche Originalbriefe von Alice Salomon und weiteren Angehörigen enthielt. Um welches Manuskript es sich diesmal handeln konnte, blieb indes unklar. Alice Salomon war eine äußerst produktive Autorin. Etwa 450 Artikel in Zeitungen und Zeitschriften sowie 27 Bücher verfasste sie im Lauf ihres Lebens.

Als wir Mark, Susan und ihren Sohn im Archiv begrüßten, war das gegenseitige Interesse groß. Es folgte ein lebendiger Austausch über jüdische Geschichte, die Herausforderungen der eigenen Familiendokumente, den Charakter Alice Salomons und die Details der Exilgeschichte ihrer Familie. Schließlich lüftete die Familie auch das Geheimnis ihrer Schenkung. Als sie nach mehreren Stunden das Archiv verließen, blieben zwei Manuskripte der Autobiografie „Character is Destiny“ mit Notizen eines Verlegers sowie handschriftlichen Anmerkungen von Alice Salomon im Archiv.

Die beiden Manuskripte sind ein großer Schatz, nicht nur in Hinsicht auf die öffentliche Zugänglichmachung von Alice Salomons Dokumenten. Die Suche nach den Manuskripten von Alice Salomons Autobiographie - maßgeblich unternommen von Joachim Wieler, der heute Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des ASA ist - bildete zu Anfang der 1980er Jahre den Beginn der Wiederentdeckung Alice Salomons. Dieser Aufgabe verschrieben sich auch Adriane Feustel und die ehemalige ASH-Rektorin Christine Labonté-Roset (ebenfalls Beiratsmitglied), als sie im Jahr 2000 das Alice Salomon Archiv gründeten. So kommt die Schenkung der Familie Jacobs, ganz zufällig, genau zum richtige Zeitpunkt. Sie ist schon jetzt das beste Geburtstagsgeschenk, das wir uns zum 20. Archivgeburtstag hätten wünschen können.

Alice Salomons Manuskripte von „Character is Destiny“ können zu den Archivöffnungszeiten eingesehen werden. Bitte verabreden Sie dafür einen Termin per E-Mail. Ein weiteres Manuskript befindet sich im Archiv des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) in Berlin.