Gesundheit, News Schulgeldfreiheit für Therapeut_innen kommt

Die Abschaffung des Schulgelds in den Therapieberufen soll dem akuten Fachkräftemangel entgegenwirken

Der Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen, etwa der Physio- und Ergotherapie oder der Logopädie, verschärft sich immer mehr. In den Medien werden verschiedene Ansätze wie Ausbildungsvergütungen und Akademisierung diskutiert, die diesen Berufen mehr Anerkennung verleihen sollen. Berufsverbände und Organisationen fordern zudem Schulgeldfreiheit für die Therapieberufe, um den stark sinkenden Schüler_innenzahlen in den einzelnen Bundesländern entgegen zu wirken.

„Die Abschaffung des Schulgelds ist ein überfälliger Schritt. Dies ist ein Zeichen, dass es sich um eine gesellschaftlich wichtige Erwerbsarbeit handelt, die hilft, die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern. Nun gilt es abzuwarten, wie dies umgesetzt wird“, so Prof. Dr. Heidi Höppner, Professorin für Physiotherapie an der ASH Berlin.

Bereits im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD (März 2018) wurde beschlossen, das Schulgeld in nichtakademischen Gesundheitsberufen abzuschaffen. Dafür hat sich die Koalition einen Zeitrahmen bis 2020 gesteckt. Bis Ende 2019 soll die Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Gesamtkonzept Gesundheitsfachberufe“ Vorschläge erarbeiten, wie die Schulgeldfreiheit finanziert werden kann. Dabei steht auch ein Finanzierungsmix mit Beteiligung der Krankenkassen zur Diskussion.

Die Schulgeldfreiheit wurde unterdessen auf Eigeninitiative einiger Landesregierungen bereits in einigen Bundesländern wie Bayern oder Schleswig-Holstein umgesetzt. Dennoch wird zum Teil kritisiert, dass die Neuregelung nicht für alle Heilmittelerbringenden gilt, dass sie nicht rückwirkend für alle Auszubildenden gilt (wie in Niedersachsen) oder dass auf das anteilige Finanzierungsmodell durch das Land kein Rechtsanspruch besteht (wie in NRW). Das Land Berlin strebt ebenfalls die Abschaffung des Schulgelds an, sieht dafür aber den Bund in der Pflicht. Eine erste Maßnahme ist die Abschaffung des Schulgelds am Universitätsklinikum Charité, die im Oktober 2018 durchgesetzt wurde.

„40 Jahre lang wurde die Ausbildung mehr und mehr privatisiert. Neben dem Schulgeld müssen die Therapeut_innen nach ihrer Ausbildung auch die Kosten für Weiterbildungen tragen. Vor dem Hintergrund eines späteren Bruttoverdienstes, der im Durchschnitt unter 2500 Euro liegt, können sich das nur wenige angehende Therapeut_innen leisten“, so Höppner, ausgebildete Krankengymnastin und Physiotherapeutin. „Während meiner Ausbildungszeit in den 80er Jahren musste ich noch kein Schulgeld zahlen. Im Hinblick auf die finanzielle Situation meiner Familie wäre dies auch nicht möglich gewesen. Mit der Abschaffung des Schulgelds ist nun auch der Weg frei, die Hochschulausbildung zu verbessern.“

Die ASH Berlin hat es sich als Hochschule für Soziale Arbeit, Gesundheit und Erziehung und Bildung (SAGE) zum Ziel gesetzt, den künftigen Anforderungen an Kompetenzen der Gesundheitsberufe durch die hochschulische Bildung gerecht zu werden. „Das Studium ist kein Luxus, sondern steht für Innovation, Entwicklung und die Attraktivität der Therapieberufe“, erklärt Höppner. Die Studierenden sollen befähigt werden, den Wandel des Gesundheitssystems aktiv mitzugestalten. Die ASH Berlin leistet damit einen Beitrag zur Behebung des Fachkräftemangels im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen und eröffnet ihren Absolvent_innen wichtige berufliche Perspektiven.