Hochschulleben Urmila Chaudhary erhält den Alice Salomon Award

Der mit 6.000 Euro dotierte Alice Salomon Award 2018 der ASH Berlin wurde an die nepalesische Frauenrechtlerin Urmila Chaudhary verliehen

Vergrößern: Verleihung des Alice Salomon Awards 2018 an die Frauenrechtlerin Urmila Chaudhary
© ASH Berlin / Alexander Rentsch

Im Rahmen ihres feierlichen Neujahrsempfangs hat die ASH Berlin am Samstag, den 13. Januar 2018, den Alice Salomon Award 2018 an Urmila Chaudhary in der Berlinischen Galerie verliehen. 

Urmila Chaudhary, die sichtlich bewegt den Preis entgegen nahm, bedankte sich in einer sehr persönlichen Rede für die Auszeichnung und das Preisgeld, welches sie u.a. an die NGO „Freed Kamlari  Development Forum“ (FKDF) spenden möchte. Die derzeitige Präsidentin von FKDF, Sunita Chaudhary begleitete die Preisträgerin und berichtete von ihrer Arbeit bei der NGO und ließ das Publikum an ihrem bewegendem Schicksal teilhaben. 

Eindrücke vom Neujahrsempfang und der Preisverleihung finden Sie auf unserer Facebook-Seite: https://www.facebook.com/ashbln/ sowie auf der folgenden Webseite: https://www.ash-berlin.eu/hochschule/profil/auszeichnungen/

Über den Alice Salomon Award

Mit dem Alice Salomon Award ehrt die Alice Salomon Hochschule Berlin Persönlichkeiten, die zur Emanzipation der Frauen und der Entwicklung der Sozialen Arbeit Herausragendes beigetragen haben und die im übertragenen Sinn das Werk Alice Salomons unter heutigen Bedingungen weiterführen. Zu den bisherigen Preisträgerinnen gehören Rugiatu Neneh Turay, Barbara Lochbihler, Fadéla Amara, Alice Shalvi, Marisela Ortiz und Norma Andrade.

Urmila Chaudhary gehört dem Volk der Tharu an, wächst im Südwesten Nepals auf und ist erst fünf oder sechs Jahre alt, als sie wegen finanzieller Nöte der Familie von ihrem Bruder als Kamalari nach Kathmandu verkauft wird. Kamalari heißt übersetzt „hart arbeitende Frau“. Mädchen zwischen sechs und 16 Jahren werden von ihren Eltern an wohlhabende Familien verkauft oder verliehen. Die Eltern bekommen dafür einen Minimallohn von 40 bis 50 US-Dollar jährlich. Die Mädchen sind Leibeigene, ohne jegliche Rechte. Arbeitstage von 16 Stunden, meistens im Haushalt aber auch in der Landwirtschaft, sind die Regel. Die Schule dürfen sie nicht besuchen.

Auch Urmila Chaudhary blieb jede Schulbildung verwehrt. Autodidaktisch bringt sie sich während ihrer Gefangenschaft das Lesen bei. Als sie etwa 17 Jahre alt ist, kann sie sich befreien: Sie darf ihre Familie besuchen und erfährt zuhause vom „Common Forum for Kamlari Freedom“, einer selbstorganisierten Gruppe von Mädchen, die auf den Straßen ihrer Heimatregion gegen das bestehende Kamalari-Sklavensystem demonstrieren. Urmila schließt sich ihnen an und kehrt nicht mehr nach Kathmandu zurück.

Zum ersten Mal in ihrem Leben darf sie nun eine Schule besuchen. Urmila Chaudhary lernt schnell und fällt innerhalb des Forums auf, da sie bereit ist, über das Geschehene und ihre Gefühle zu sprechen. 2010 gründet sie mit anderen den gemeinnützigen Verein „Freed Kamlari Development Forum“ (FKDF), dessen Präsidentschaft sie später übernimmt. Die Mädchen geben Trauma-Theater-Workshops, planen Empowerment-Kampagnen, organisieren Demonstrationen und befreien durch Aufklärungsarbeit mehr als 13.000 Kamalari aus nepalesischen Haushalten.

Inzwischen ist Urmila Chaudhary von der Präsidentschaft des FKDF zurückgetreten, um sich ihrer eigenen Schulbildung widmen zu können, den Verein unterstützt sie weiterhin aktiv. Ihr großer Traum ist es, Jura zu studieren und als Rechtsanwältin für junge Mädchen in Nepal und deren Zukunftsperspektiven zu kämpfen.

Für ihren Einsatz und als Repräsentantin des „Freed Kamlari Development Forum“ wurde die Frauenrechtlerin mit dem Alice Salomon Award ausgezeichnet.

Pressemitteilung