Tagung, Hochschulleben Fachlich, dialogisch, kritisch

Selbstbewusste sozialpädagogische Kinderschutzarbeit

Vergrößern: Kleines Mädchen zeigt seine mit Farbe bemalten Hände in die Kamera und lacht
© Dron/fotolia

Fachlich, dialogisch, kritisch

Audimax der ASH Berlin (Raum 103)

Netzwerk QE-WiPrax


Die Anmeldefrist für diese Veranstaltung ist bereits abgelaufen.

Eine gemeinsame Veranstaltung des Kooperationsnetzwerkes QE-WiPrax des weiterbildenden Masterstudiengang „Kinderschutz - Dialogische  Qualitätsentwicklung in den Frühen Hilfen und im Kinderschutz“ und der Alice Salomon Hochschule Berlin

Kinderschutz ist eine originäre Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe! In den letzten Jahren wurde die sozialpädagogische Kinderschutzarbeit jedoch immer wieder öffentlich in Frage gestellt. Seitdem wurde einiges zu deren Verbesserung getan. Es wurden Checklisten sowie andere wichtige Instrumente der Dokumentation und des Managements in die Kinderschutzarbeit eingeführt. Dabei gerieten sozialpädagogische Kernthemen des Kinderschutzes jedoch aus dem Blick: Wie gelingt es in einen helfenden und lernenden Kontakt mit Kindern und Eltern unter extrem schwierigen Ausgangsbedingungen zu gelangen? Wie kann in Krisen geholfen werden? Wie können Konflikte in Familien und Konflikte zwischen Familien und dem Helfersystem bewältigt werden? Wie kann Widerstand von Familien im Kinderschutz verstanden und thematisiert werden? Wie können betroffene Familien im Kinderschutz beteiligt werden? Dürfen Sorgen und Ängste der Fachkräfte thematisiert werden? Welche Ansätze gibt es im interkulturellen Kontext?

Diese und weitere Fragen sollen bei der Fachtagung diskutiert und beantwortet werden. Die fachlichen Inputs werden von Expertinnen und Experten der Kinderschutzarbeit gegeben. Es werden Ergebnisse aus den Kooperationen zwischen Praxis und Wissenschaft präsentiert, die im weiterbildenden Masterstudiengang „Kinderschutz - Dialogische  Qualitätsentwicklung in den Frühen Hilfen und im Kinderschutz“ in Qualitätsentwicklungs- und Praxisforschungsprojekten prozesshaft erarbeitet wurden. Und es werden Eckpfeiler dialogischer Kinderschutzarbeit gesetzt sowie ethische Aspekte benannt.

Durch Vorträge und Workshops soll das Bild der Sozialen Arbeit Kontur bekommen. In einer fachlichen, dialogischen und kritischen Auseinandersetzung geht es schließlich darum, „Land zu gewinnen“. In der gegenwärtigen Zeit, in der einerseits sozialpädagogische Kompetenzen in ganz verschiedenen Arbeitsbereichen und Institutionen angefordert und andererseits im originären  Aufgabenbereich der Kinder- und Jugendhilfe in Frage gestellt werden, gilt es Selbstbewusstsein für die eigene Fachlichkeit zu erlangen - auch im Kontext der demokratischen Verfasstheit unserer Gesellschaft.

Die Fachtagung ist eine gemeinsame Veranstaltung des Kooperationsnetzwerkes QE-WiPrax  des weiterbildenden Masterstudiengang „Kinderschutz - Dialogische  Qualitätsentwicklung in den Frühen Hilfen und im Kinderschutz“ und der Alice Salomon Hochschule Berlin. Sie richtet sich an alle Fachkräfte, die beruflich mit Kinderschutz befasst sind, aber auch an weitere Interessierte.

Programm:

09:00 Uhr Begrüßung
09:15-10:15 Uhr Eröffnungsvortrag „Eckpfeiler dialogischer Kinderschutzarbeit in
der Demokratie“ Referent: Dr. Felix Brandhorst (ASH Berlin)
Rückfragen
10:15-11:30 Uhr Dialogrunden
11:30-12:00 Uhr Mittagspause
12:00-14:30 Uhr Workshops
14:30-15:30 Uhr Abschlussvortrag „Ethische Aspekte in der
Kinderschutzarbeit“ Referent: Dr. Thomas Meysen (DiJuF Heidelberg)
15:30-16:00 Uhr Zusammenfassung und Ausblick

 Workshop 1

Kinderschutz im interkulturellen Kontext

Ausgrenzung, Diskriminierung, rassistische Übergriffe, das Leben in -  oder an der Armutsgrenze sowie traumatisierende (Flucht-)Erlebnisse können zu Stressoren werden, die sich im Familienleben dramatisch niederschlagen. Nicht selten wirkt sich das auf die Schwächsten und Jüngsten in einer Familie aus. Insbesondere in der Arbeit mit kulturell anders sozialisierten Familien, deren Denken und Handeln auf Grund einer anderen kulturellen Sozialisation, anders als das uns eigene ausfallen kann, sind Fachkräfte gefordert, diese Vielfalt auszuhalten, einzuschätzen und zu verstehen und dabei auch gleichzeitig Ihr Mandat und Ihren Schutzauftrag nicht aus den Augen zu verlieren. Interkulturelle Kompetenz und das dialogische Fallverstehen wird in diesem Kontext für Fachkräfte zu einer Schlüsselkompetenz. Wie können Fachkräfte insbesondere Eltern mit einem Migrationshintergrund erreichen, verstehen und halten? Im Workshop wollen wir anregen, gemeinsam der Frage nachzugehen, wie wir im Kontext von Sprachbarrieren und kultureller Vielfalt sowie existentieller Not das Kindeswohl sichern und Familien fördern können.

Andrea Walter-Gröger (AspE e.V.), Semih Kneip (Kronberger Kreis für dialogische Qualitätsentwicklung)

Workshop 2

Konflikt und „Widerstand“ in der Kinderschutzarbeit – Erfahrungen im Projekt neuanFANg bei der Beteiligung von Eltern und familiären Netzwerken zur Abwendung von Kindeswohlgefährdung

Im Workshop werden durch aktive Auseinandersetzung mit professionellen und nicht-professionellen Vorstellungen von „Widerstand, Veränderung und Kinderschutz“ Erfahrungen ausgetauscht. Es gibt Anregung durch Input aus Forschung und Praxis sowie Raum für Diskussion und gemeinsame Ideenentwicklung.

Cornelia Adolf und Katrin Stratmann (FAN e.V.) und Kira Gedik (ASH Berlin)

Workshop 3

Ein Kriseninterventionsteam im Jugendamt

In etlichen Regionen wurden in den letzten Jahren Kriseninterventionsteams im Kinderschutz gegründet, um eine verbesserte Präsenz des Jugendamtes zu gewährleisten, für Betroffene niederschwellig erreichbar zu sein, zügig zu agieren und den ASD/RSD zu entlasten. Doch beim Aufbau dieser Teams und der Verzahnung mit dem ASD/RSD gilt es mehreres zu bedenken. Im Workshop wird am Beispiel eines Qualitätsentwicklungsprojektes darüber berichtet.

Heike Haacke und Ute Krauß (Jugendamt Marzahn-Hellersdorf), Carmilla Eder und Prof. Dr. Regina Rätz (ASH Berlin)

Workshop 4

Angst im Kinderschutz

Wenn sich Familien und Fachkräfte im Kontext von Kinderschutz begegnen, spielen sicherlich verschiedene Ängste eine große Rolle. Welche Ängste das sind, wie sie wirken und was die Institution damit zu tun hat soll Thema dieses Workshops sein. Dabei knüpfen wir an ein aktuelles Forschungsprojekt zum Thema "Angst im Kinderschutz" an, dessen Ergebnisse in den Workshop einfließen werden.

Katharina Eggers und Prof. Dr. Reinhart Wolff (ASH Berlin)

Kosten

20,- Euro (Studierende der ASH Berlin: 10,- Euro)
Die Teilnahmebeiträge werden genutzt, um ein vegetarisches Mittagessen zur Verfügung zu stellen.

Um Anmeldung (siehe oben) bis zum 31.7.2017 wird gebeten.