Hochschulleben Neujahrsempfang der ASH Berlin und Verleihung des Alice Salomon Awards 2018

Der Alice Salomon Award 2018 geht an Urmila Chaudhary. Die Frauenrechtlerin aus Nepal und Repräsentantin des "Freed Kamlari Development Forum" wird für ihren Mut ausgezeichnet.

Vergrößern: Das Foto zeigt die nepalesische Frauenrechtlerin Urmila Chaudhary und ein kleines Mädchen aus Nepal. Beide sitzen an einem Flussufer in ihrer Heimat.
© susan gluth

Neujahrsempfang der ASH Berlin und Verleihung des Alice Salomon Awards 2018

Berlinische Galerie - Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin

ASH Berlin

Im Rahmen ihres Neujahrsempfangs verleiht die ASH Berlin am Samstag, den 13. Januar 2018, den Alice Salomon Award 2018 an Urmila Chaudhary.

Mit dem Alice Salomon Award ehrt die Alice Salomon Hochschule Berlin Persönlichkeiten, die zur Emanzipation der Frauen und der Entwicklung der Sozialen Arbeit Herausragendes beigetragen haben und die im übertragenen Sinn das Werk Alice Salomons unter heutigen Bedingungen weiterführen. Zu den bisherigen Preisträgerinnen gehören Rugiatu Neneh Turay, Barbara Lochbihler, Fadéla Amara, Alice Shalvi, Marisela Ortiz und Norma Andrade.

Urmila Chaudhary gehört dem Volk der Tharu an, wächst im Südwesten Nepals auf und ist erst fünf oder sechs Jahre alt, als sie wegen finanzieller Nöte der Familie von ihrem Bruder als Kamalari nach Kathmandu verkauft wird. Kamalari heißt übersetzt „hart arbeitende Frau“. Mädchen zwischen sechs und 16 Jahren werden von ihren Eltern an wohlhabende Familien verkauft oder verliehen. Die Eltern bekommen dafür einen Minimallohn von 40 bis 50 US-Dollar jährlich. Die Mädchen sind Leibeigene, ohne jegliche Rechte. Arbeitstage von 16 Stunden, meistens im Haushalt aber auch in der Landwirtschaft, sind die Regel. Die Schule dürfen sie nicht besuchen.

Auch Urmila Chaudhary blieb jede Schulbildung verwehrt. Autodidaktisch bringt sie sich während ihrer Gefangenschaft das Lesen bei. Als sie etwa 17 Jahre alt ist, kann sie sich befreien: Sie darf ihre Familie besuchen und erfährt zuhause vom „Common Forum for Kamlari Freedom“, einer selbstorganisierten Gruppe von Mädchen, die auf den Straßen ihrer Heimatregion gegen das bestehende Kamalari-Sklavensystem demonstrieren. Urmila schließt sich ihnen an und kehrt nicht mehr nach Kathmandu zurück.

Zum ersten Mal in ihrem Leben darf sie nun eine Schule besuchen. Urmila Chaudhary lernt schnell und fällt innerhalb des Forums auf, da sie bereit ist, über das Geschehene und ihre Gefühle zu sprechen. 2010 gründet sie mit anderen den gemeinnützigen Verein „Freed Kamlari Development Forum“ (FKDF), dessen Präsidentschaft sie später übernimmt. Die Mädchen geben Trauma-Theater-Workshops, planen Empowerment-Kampagnen, organisieren Demonstrationen und befreien durch Aufklärungsarbeit mehr als 13.000 Kamalari aus nepalesischen Haushalten.

Inzwischen ist Urmila Chaudhary von der Präsidentschaft des FKDF zurückgetreten, um sich ihrer eigenen Schulbildung widmen zu können, den Verein unterstützt sie weiterhin aktiv. Ihr großer Traum ist es, Jura zu studieren und als Rechtsanwältin für junge Mädchen in Nepal und deren Zukunftsperspektiven zu kämpfen.

Für ihren Einsatz und als Repräsentantin des „Freed Kamlari Development Forum“ wird die Frauenrechtlerin mit dem Alice Salomon Award ausgezeichnet.

Um Anmeldung zur Veranstaltung per E-Mail unter award@ avoid-unrequested-mailsash-berlin.eu bis zum 8. Januar 2018 wird gebeten. Weitere Informationen zum Veranstaltungsablauf finden Sie im Einladungsflyer

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On 13 January 2018, the Alice Salomon University of Applied Sciences Berlin will present the Alice Salomon Award to Urmila Chaudhary during its New Year Reception.

With the Alice Salomon Award, ASH Berlin honours people who have made outstanding contributions to the emancipation of women and the development of social work, and who – in a figurative sense – continue the work of Alice Salomon in today’s world. Previous award-winners include Rugiatu Neneh Turay, Barbara Lochbihler, Fadéla Amara, Alice Shalvi, Marisela Ortiz and Norma Andrade.

Urmila Chaudhary is a member of the Tharu people, grew up in South-West Nepal, and was only five or six years old when her family’s financial hardship caused her brother to sell her as a “kamlari” in Kathmandu. “Kamlari” means “hard-working woman” in English. Girls between the ages of six and 16 are sold or leased to wealthy families by their parents. The parents thereby receive a small income of 40 to 50 US dollars per annum. The girls are serfs, without any rights at all. 16-hour working days, most frequently in the home but also as agricultural labourers, are the norm. They are not allowed to attend school.

Urmila Chaudhary was also denied any schooling. She taught herself to read during the time of her imprisonment. She obtained her freedom at the age of 17. For the first time in her life, she was now able to attend a school. In 2010, she co-founded a charitable association, the “Freed Kamlari Development Forum” (FKDF), of which she later became the president. The girls give theatre workshops on trauma, plan empowerment campaigns, organise demonstrations and, through to their educational work, have managed to free more than 13,000 girls from Nepalese households.

In order to focus on her own education, Urmila Chaudhary gave up the presidency of the FKDF, but remains involved in the association’s activities. Her great dream is to study law, become a lawyer and fight on behalf of young Nepalese girls and their future prospects.
For her services and as a representative of the “Freed Kamlari Development Forum”, this women’s advocate is now being presented with the Alice Salomon Award. Current president of FKDF is Sunita Kumari Chaudhary who will also take part in the awards
ceremony.

We ask that you please register via e-mail to award@ avoid-unrequested-mailsash-berlin.eu by 8 January. More information you will find on the invitation card.