MedikaMig

Vermeidung von Polypharmazie bei chronisch Erkrankten mit Migrationshintergrund

Projektlaufzeit: 01.04.2019 bis 31.03.2019

Projektleitung:  Prof. Dr. Hürrem Tezcan-Güntekin (ASH Berlin), Prof. Dr. Martin von Löwis (Beuth Hochschule)

Kooperationspartner_innen:

Zusammenfassung:

Die Anzahl der eingenommenen Medikamente steigt bei älteren Menschen mit Zunahme gesundheitlicher Beschwerden. Es handelt sich hierbei teilweise um vom Arzt verschriebene Medikamente, teilweise auch um Selbstmedikation. Nehmen PatientInnen unterschiedliche Arten von Medikamenten ein, steigt die Zahl von Wechselwirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen. Bei mehr als einem Drittel der älteren PatientInnen, die einen ungeplanten Krankenhausaufenthalt haben, ist eine Fehl- oder unangebrachte Mehrfachmedikation nachweisbar. Als wesentliche Gründe für unerwünschte Arzneimittelwirkungen werden Multimorbidität und Polypharmazie identifiziert, die insbesondere bei älteren PatientInnen und Hochaltrigen zunehmen. Menschen mit einer potentiellen Vulnerabilität, wie beispielsweise ältere Menschen mit Migrationshintergrund, sind aufgrund einer geringen Health Literacy und sprachlichen Kommunikationsschwierigkeiten Fehlmedikation und Polypharmazie stärker ausgesetzt.

Eine Identifikation von Fehlmedikation sowie ein besserer Austausch zwischen medizinischen Professionellen, PatientInnen und Angehörigen anhand innovativer und web-basierter Kooperation soll Fehlversorgung und Polypharmazie verringern.

In einem ersten Schritt wird mit einem qualitativen Forschungsansatz die derzeitige medikamentöse Versorgungssituation von chronisch erkrankten türkeistämmigen Menschen analysiert, um auf dieser Grundlage in einem zweiten Schritt ein quartierbezogenes Interventionskonzept zur interaktiven und interprofessionellen Vernetzung von Professionellen und PatientInnen/Angehörigen in Berlin zu entwickeln.

Als technologische Grundlage der Vernetzung soll – aufbauend auf bereits vorhandenen Instrumenten – eine web-Infrastruktur entwickelt werden, in der sowohl verschriebene und nicht-verschriebene Medikamente als auch die tatsächliche Einnahme erfasst wird, um Diskontinuitäten in der Medikamenteneinnahme zu identifizieren und interprofessionell zu begegnen. Dabei sollen vor allem niederschwellige technologische Angebote entwickelt werden, z.B. Apps für Smartphones. Das Instrument dient somit der Verbesserung der medikamentösen Versorgung in der Häuslichkeit und stärkt die interprofessionelle Kommunikation der versorgenden Professionellen. Das Instrument wird so entwickelt, dass es durch geringe Modifikation auch auf andere vulnerable Bevölkerungsgruppen angepasst werden kann.

Mittelgeber_in: Institut für angewandte Forschung Berlin (IFAF Berlin) 

Schlagworte:  Versorgungsforschung, Polypharmazie, chronische Erkrankung, vulnerable Bevölkerungsgruppen, Medikation

Kontakt:

Prof. Dr. Dr. Hürrem Tezcan-Güntekin

Professorin für "Interprofessionelle Handlungsansätze mit Schwerpunkt auf qualitativen Forschungsmethoden in Public Health"

Raum 512

Sprechzeiten: nach Vereinbarung per E-Mail

T +49 30 99245-512

Hürrem Tezcan-Güntekin