Rassistische Diskriminierung ist ein ernstzunehmendes Problem in der alltäglichen medizinischen und pflegerischen Praxis in Deutschland. Wie können Gesundheitseinrichtungen effizient dagegen vorgehen? Ein Forschungsverbund unter Beteiligung der Alice Salomon Hochschule Berlin zeigt nun: Um dem wirksam entgegenzutreten, braucht es mehr als Sensibilisierung – gefragt sind strukturelle Veränderungen.
Die Handlungsempfehlungen basieren auf den Forschungsergebnissen des Projekts „Rassismen in der Gesundheitsversorgung“ der ASH Berlin (Prof. Dr. Dr. Hürrem Tezcan-Güntekin, Dr. Sibille Merz, Leman Bilgic), der Hochschule Fulda (Prof. Dr. Regina Brunnett, Ksenia Meshkova) und der Universität Witten/Herdecke (Prof. Dr. PH Patrick Brzoska, Dr. Yüce Yılmaz-Aslan, Dr. Tuğba Aksakal). Sie richten sich insbesondere an stationäre Einrichtungen und fokussieren zentrale Handlungsfelder wie Organisationsstruktur und -kultur, Kommunikation und Bildsprache, Betroffenenschutz und Personal bzw. Personalentwicklung.
Dabei formulieren die Autor_innen bewusst Empfehlungen zu einer rassismuskritischen Organisationsentwicklung, die über den bisher üblichen Fokus auf Aus- und Weiterbildung hinausgehen. Denn die Forschung hat gezeigt: ohne strukturell verankerte Schutzmaßnahmen, verbindliche Prozesse und systematische Datenerhebungen bleiben Betroffene weiterhin allein.
Rassismus abbauen, Versorgung stärken. Handlungsempfehlungen für stationäre Gesundheitseinrichtungen ist ab sofort als Open Access Publikation auf dem Publikationsserver der ASH Berlin aliceOpen und auf Zenodo verfügbar.
Das Forschungsprojekt „Rassismen in der Gesundheitsversorgung“ wurde vom 01.01.2023 bis 31.12.2025 vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.
Prof. Dr. Dr. Hürrem Tezcan-Güntekin ist Professorin für Interprofessionelle Handlungsansätze mit Schwerpunkt auf qualitativen Forschungsmethoden in Public Health an der ASH Berlin.