ASH Berlin / Profil / Historie

Die Geschichte der Alice Salomon Hochschule Berlin

Die Soziale Frauenschule 1915

Die Geschichte der Alice Salomon Hochschule ist aufs engste mit der Entwicklung der modernen Sozialarbeit und Sozialreform verbunden. Die Wurzeln der Hochschule reichen ins 19. Jahrhundert zurück, als mit einjährigen Kursen die systematische Ausbildung zur sozialen Arbeit in Deutschland begann.

Grundlage der von Jeannette Schwerin (1852-1899) angeregten Jahreskurse waren die Erfahrungen der "Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit", die 1893 in Berlin von Sozialreformern und Feministinnen gegründet worden waren.

Die erfolgreiche Entwicklung der Kurse unter der Leitung von Alice Salomon (1872-1948) führte 1908 mit Unterstützung des Pestalozzi-Fröbel-Hauses zur Gründung der zweijährigen "Sozialen Frauenschule" in Berlin-Schöneberg. Sie wurde zum Vorbild für weitere Schulgründungen und hat die Entwicklung der Sozialen Arbeit in Deutschland mitgeprägt.

Die wichtigsten Prinzipien: Interdisziplinarität, die enge Verbindung von Theorie und Praxis und die internationale Orientierung sind noch heute Grundlagen der Ausbildung.

Die Soziale Frauenschule war Sitz der 1917 gegründeten "Konferenz der sozialen Schulen" (KFS) und der 1929 gegründeten "International Association of Schools of Social Work" (IASSW) sowie der 1925 gegründeten "Deutschen Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit", die die hochschulmäßige Ausbildung zur Sozialen Arbeit vorwegnahm. 1932 erhielt die Schule den Namen "Alice-Salomon-Schule".

1933, mit Beginn der NS-Diktatur, wurde die Alice-Salomon-Schule, nicht ohne Eigenbeteiligung, als eine emanzipatorische und auf soziale Gerechtigkeit orientierte Schule zerstört, die Akademie wurde aufgelöst, der Name "Alice-Salomon-Schule" wurde fallengelassen, alle jüdischen und sozialdemokratischen Dozentinnen und Dozenten, Schülerinnen und Mitarbeiterinnen vertrieben. Als "Schule für Volkspflege" vom NS-Staat anerkannt wurde die Schule bis 1945 weitergeführt.

Nach der Befreiung von der NS-Diktatur konnte die Schule nach Entlassung ihrer Direktorin mit Genehmigung der Alliierten im Juni 1945 ihre Arbeit wieder aufnehmen, in Anknüpfung an die wieder in Kraft gesetzten Ausbildungsbestimmungen der 20er Jahre und in Orientierung an amerikanischen Vorbildern. Die Ausbildung wurde für männliche Studierende geöffnet und auf 3 Jahre ausgedehnt. 1954 erhielt sie, nun "Seminar für Soziale Arbeit" (ab 1968 "Akademie für Soziale Arbeit"), wieder den Namen Alice Salomons.

Im Rahmen der Bildungsreform Ende der 60er Jahre wurde sie 1971 zur "Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik" unter Einschluss der katholischen "Helene-Weber-Akademie" und des "Seminars der Arbeiterwohlfahrt" erweitert. 1994 wurde ein zweiter Studiengang "Pflege/Pflegemanagement" eingerichtet.

 
Heute bietet die ASH Berlin Master- und Bachelorstudiengänge für Soziale Arbeit, den nicht-ärztlichen Gesundheitsbereich sowie Bildung im Kindesalter an. Seit 1992 trägt sie wieder den Namen Alice Salomons, deren Werk sie in vieler Hinsicht verbunden ist.

 

Zeittafel

1899

Eröffnung des 1. Jahreskurses zur beruflichen Ausbildung in der Sozialen Arbeit in Deutschland unter Leitung von Alice Salomon

1908

Gründung der "Sozialen Frauenschule" in Berlin-Schöneberg in den Räumen des Pestalozzi-Fröbel-Hauses unter Leitung von Alice Salomon

Beginn der zweijährigen Ausbildung und Einrichtung eines halbjährigen Fortbildungskurses für Soziale Arbeit in Deutschland

Die Schule ist interkonfessionell, etwa ein Drittel der Schülerinnen sind jüdischer Herkunft. Die Schule wird auch von ausländischen Schülerinnen besucht.

1914

Die Schule bezieht ein eigenes Haus auf dem Gelände des Pestalozzi-Fröbel-Hauses, heute Sitz des Alice-Salomon-Archivs.

1917

Gründung der "Konferenz Sozialer Frauenschulen Deutschlands" auf Initiative Alice Salomons (heute: "Fachbereichstag Soziale Arbeit")

1920

Staatliche Anerkennung der Ausbildung an den Sozialen Frauenschulen Deutschlands

Das Preußische Innen- und Kultusministerium erlässt eine Ausbildungs- und Prüfungsordnung.

1925

Die "Soziale Frauenschule" wird als Haus III dem Pestalozzi-Fröbel-Haus angegliedert.

Direktorin wird die Psychologin Charlotte Dietrich.

Gründung der "Deutschen Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit" an der Sozialen Frauenschule zur wissenschaftlichen Fortbildung und Forschung

1929

Gründung des "Internationalen Komitees Sozialer Schulen" unter dem Vorsitz von Alice Salomon (heute: International Association of Schools of Social Work, IASSW)

1932

Die "Soziale Frauenschule" in Berlin-Schöneberg wird anlässlich des 60. Geburtstages ihrer Gründerin in "Alice-Salomon-Schule" umbenannt.

1933

Die jüdischen und oppositionellen Dozentinnen und Dozenten werden entlassen. Alice Salomon erhält Hausverbot.

Die jüdischen Schülerinnen verlassen die Schule. Die staatliche Anerkennung als Sozialarbeiterinnen wird ihnen verweigert.

Die Lehre wird der nationalsozialistischen Doktrin angepasst.

Die Schule wird als "Volkspflegeschule" vom NS-Staat anerkannt. Die Leitung behält Charlotte Dietrich.

Die Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit löst sich auf Initiative von Alice Salomon angesichts der nationalsozialistischen Bedrohung im Mai auf.

1935

Die Schule tritt zusammen mit allen deutschen Schulen aus dem von Alice Salomon geleiteten "Internationalen Komitee Sozialer Schulen" aus.

1945

Die Schulleiterin wird entlassen.

Am 4. Juni wird mit Genehmigung der russischen Stadtkommandantur der Lehrbetrieb unter Leitung der seit 1929 an der Schule tätigen Rechtsdozentin Erna Runkel wieder aufgenommen.

Die Ausbildungsbestimmungen aus der Zeit vor 1933 werden wieder in Kraft gesetzt.

Die Schule wird für männliche Schüler geöffnet.

1952

Umbenennung der "Sozialen Frauenschule" in "Seminar für Soziale Arbeit"

1954

Die Schule erhält wieder den Zusatz "Alice-Salomon-Schule".

1963

Helga Danzig wird neue Leiterin der Alice-Salomon-Schule.

1968

Das Seminar wird zur "Akademie für Soziale Arbeit" erweitert unter Einschluss der Sozialarbeiterausbildung des Berliner Senats (Haus am Rupenhorn).

1971

Gründung der staatlichen "Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik" (FHSS) durch Zusammenlegung der "Akademie für Soziale Arbeit", der Ausbildungsstätten der Arbeiterwohlfahrt und der katholischen "Helene-Weber-Akademie". Kurt Eberhard übernimmt die Leitung.

Der Name "Alice-Salomon-Schule" entfällt.

1973

Friedrich Hossbach wird kommissarischer Direktor.

1974

Dieter Claessens wird Rektor der Fachhochschule.

1978

Hans-Jochen Brauns wird neuer Rektor.

1986

Marlis Dürkop wird zur neuen Rektorin ernannt.

1990

Reinhart Wolff wird Rektor der Fachhochschule.

1991

Die Fachhochschule erhält den Namen "Alice Salomon Fachhochschule" (ASFH).

1994

Christine Labonté-Roset wird neue Rektorin.

1996

Einrichtung des Studiengangs "Pflege-/Pflegemanagement"

1998

Die ASFH zieht von Berlin-Schöneberg in einen Neubau in den Berliner Bezirk Hellersdorf um. Das neue Gebäude wurde vom Architekten Prof. Bernhard Winking entworfen.

1999

Die ASFH führt den Masterstudiengang "Intercultural Conflict Management" ein.

2000

Beginn des Masterstudiengangs "Sozialmanagement" in Kooperation der ASFH mit der Paritätischen Akademie

2001

Eröffnung des "Alice-Salomon-Archivs" und des "Archiv und Dokumentationszentrums für soziale und pädagogische Frauenarbeit" in Kooperation mit dem Pestalozzi-Fröbel-Haus im historischen Gebäude der "Sozialen Frauenschule" in Berlin-Schöneberg

2002

Im Mai 2002 wird die israelische Wissenschaftlerin und Frauenrechtlerin Alice Shalvi mit dem zum ersten Mal verliehenen Alice-Salomon-Award ausgezeichnet.

Der Masterstudiengang "Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession" wird in Kooperation der ASFH mit der Evangelischen und der Katholischen Hochschule Berlin eingeführt.

2003

Die Fachhochschule führt den berufsbegleitenden Masterstudiengang "Klinische Sozialarbeit" in Kooperation mit der Hochschule Coburg ein.

2004

Die französische Frauenrechtlerin und Präsidentin der Association "Ni Putes, ni Soumises" ("Weder Huren noch Unterworfene") Fadéla Amara wird mit dem Alice-Salomon-Award ausgezeichnet.

Die ersten Bachelorstudiengänge ("Physio-/Ergotherapie" und "Erziehung und Bildung im Kindesalter") werden an der ASFH angeboten.

2005

Im Zuge der Bologna Reformen werden auch die ehemaligen Diplomstudiengänge "Soziale Arbeit" und "Pflege/Pflegemanagement" als Bachelorstudiengänge angeboten.

2006

Zum Wintersemester 2006/07 richtet die ASFH als erste Fachhochschule in Deutschland den weiterbildenden Masterstudiengang „Biografisches und Kreatives Schreiben“ ein.

Im Zuge der Einführung des Masterstudiengangs "Biografisches und Kreatives Schreiben" ruft die Fachhochschule den Alice Salomon Poetik Preis ins Leben und vergibt den ersten Poetikpreis an den Poeten, Romancier und Filmemacher Michael Roes.

2007

Gerd Rühm, Musiker, Poet und Bildender Künstler, erhält den Alice Salomon Poetik Preis.

Das von Hochschulen aus England, Finnland, Österreich, Slowenien und Deutschland entwickelte Promotionsprogramm "International Doctoral Studies in Social Work (INDOSOW)" nimmt erste Promovierende auf.

Die ASFH lässt sich erstmals im Rahmen des "audit familiengerechte hochschule" von der berufundfamilie gGmbH zertifizieren und wird damit als familienfreundliche Arbeitgeberin ausgezeichnet.

2008

Die deutsche Bildhauerin, Aktionskünstlerin und Filmemacherin Rebecca Horn erhält den Alice Salomon Poetik Preis.

Die ASFH führt drei neue Studiengänge ein: die konsekutiven Masterstudiengänge "Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen" sowie "Praxisforschung in Sozialer Arbeit und Pädagogik" und die berufsintegrierende Studienform des Bachelorstudiengangs "Erziehung und Bildung im Kindesalter".

Die Hochschule feiert ihr 100-jähriges Bestehen - mit zahlreichen Gästen aus dem In- und Ausland und einem Festakt am 23. Oktober 2008 beginnen im Audimax die Jubiläumsfeierlichkeiten mit geladenen Gästen. Zu den Ehrengästen zählen Angehörige von Alice Salomon aus vielen Ländern und Generationen.

Im Rahmen der 100-Jahrfeier der ASFH wird Barbara Lochbihler, Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, mit dem zum dritten Mal verliehenen Alice-Salomon-Award ausgezeichnet.

2009

Nach Beschluss der Berliner Senats sollen die Fachhochschulen vom 1. April 2009 deutlicher den Hochschulen zugerechnet werden. Alle staatlichen Fachhochschulen Berlins streichen die Silbe "Fach" aus ihren Bezeichnungen - so wird am 1. April 2009 aus der ASFH die ASH Berlin - die Alice Salomon Hochschule Berlin.

Gründung des Instituts für angewandte Forschung Berlin e.V. (IFAF) durch die vier staatlichen Berliner Hochschulen Alice Salomon Hochschule, Beuth Hochschule für Technik, Hochschule für Technik und Wirtschaft und Hochschule für Wirtschaft.

2010

Der Alice Salomon Poetik Preis wird an den Schreib- und Vortragskünstler, Lautdichter, Erzähler und Hörspielautor Valeri Scherstjanoj verliehen.

Der Alice-Salomon-Award wird an Rugiatu Neneh Turay aus Sierra Leone für ihr Engagement gegen die Beschneidung von Mädchen und für die Bildung von Frauen verliehen.

Seit dem Wintersemester 2010/11 bietet die ASH Berlin ein berufsbegleitendes internetbasiertes Fernstudium der Sozialen Arbeit, kurz BASA-online, an.

Theda Borde wird neue Rektorin der ASH.

2011

Eugen Gomringer, der Initiator der konkreten Poesie, erhält den Alice Salomon Poetik Preis.

Die ASH Berlin hat sich zum zweiten Mal im Rahmen des "audit familiengerechte hochschule" von der berufundfamilie gGmbH zertifizieren lassen. 

Die ASH Berlin wird für den besten Organisationsentwicklungsprozess im bundesweiten "Wettbewerb guter Praxis: Gesunde Hochschulen" ausgezeichnet.

Der Startschuss für den neuen primärqualifizierenden Bachelorstudiengang "Physio-/Ergotherapie" der ASH Berlin fällt am 30. September. 

2012

Der Alice Salomon Poetik Preis wird an Emine Sevgi Özdamar, Schauspielerin, Theaterregisseurin und Schriftstellerin  verliehen.

Die Erweiterung der ASH ist durch Anbauten aus den Jahren 2004, 2007 und 2011 abgeschlossen. Das Hochschulgebäude bietet nun Platz für 2.869 Studierende. 

2013

Der preisgekrönte Kinder- und Jugendbuchautor Andreas Steinhöfel erhält den Alice Salomon Poetik Preis im Rahmen des Neujahrsempfangs der Hochschule in der Berlinischen Galerie.

Die Mexikanischen Frauenrechtlerinnen Marisela Ortiz und Norma Andrade erhalten den Alice Salomon Award 2013.

Seit dem Wintersemester 2013/14 führt die Alice Salomon Hochschule Berlin regelmäßig Lehrveranstaltungen und Projekte in der Unterkunft für geflüchtete Menschen in der Maxie-Wander-Straße in Hellersdorf durch.

2014

Der Alice Salomon Poetik Preis wird an den Schweizer Schriftsteller, Kabarettist und Liedermacher Franz Hohler verliehen.

Prof. Dr. Uwe Bettig wird neuer Rektor der ASH Berlin.

Im September 2014 startet der weiterbildende Masterstudiengang „Social Work as a Human Rights Profession“ an der Hochschule.

2015

Volker Ludwig, Gründer und langjähriger Leiter des GRIPS Theaters, erhält den Alice Salomon Poetik Preis.

Seit dem Sommersemester 2015 bietet die ASH Berlin den weiterbildenden Masterstudiengang „Kinderschutz - Dialogische Qualitätsentwicklung in den Frühen Hilfen und im Kinderschutz“ an.