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Biografie der Gründerin Alice Salomon

Alice Salomon um 1930

Alice Salomon wurde 1872 in Berlin geboren und gehörte der emanzipierten und assimilierten jüdischen Mittelschicht an. Der Hintergrund blieb prägend, auch wenn Alice Salomon 1914 zum Protestantismus konvertierte und Elemente der protestantischen Sozialethik eine wichtige Grundlage ihres Werkes wurden.

Von 1902 bis 1906 studierte Alice Salomon als Gasthörerin an der Friedrich-Wilhelms-Universität Nationalökonomie, Geschichte und Philosophie, obgleich sie kein Abitur und die Schule, wie für Mädchen üblich, nur neun Jahre besucht hatte.

Als Voraussetzung für den Besuch der Universität wurden ihre Publikationen anerkannt, u.a. zwei umfangreiche Artikel in dem von Helene Lange und Gertrud Bäumer 1901 herausgegebenen Handbuch der deutschen Frauenbewegung.

1906 promovierte Alice Salomon mit einer Arbeit über die ungleiche Entlohnung von Männer- und Frauenarbeit.


Bildungsarbeit für Frauen


Seit 1893 engagierte sie sich in der sozialen Frauenarbeit und der Frauenbewegung. Sie arbeitete u.a. in einem Mädchenhort und Arbeiterinnenheim und wurde 1899 Vorsitzende des Vereins der Mädchen- und Frauengruppen für Soziale Hilfsarbeit.

1900 übernahm sie im Bund Deutscher Frauenvereine Vorstandsfunktionen, ab 1909 auch in der internationalen Frauenbewegung im International Council of Women, ab 1920 als Vizepräsidentin.

Der zweite Schwerpunkt ihrer Arbeit waren Frauen- und soziale Bildung. Sie eröffnete 1899 den ersten Jahreskurs der Mädchen- und Frauengruppen für Soziale Hilfsarbeit, mit dem in Deutschland die systematische Ausbildung für die soziale Arbeit begann.

1908 gründete sie die Soziale Frauenschule in Berlin, 1925 die Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit mit einer eigenen Abteilung für empirische Forschungen.

1916/17 initiierte und organisierte sie die Konferenz der Sozialen Frauenschulen Deutschlands, die sie bis 1933 leitete.

1929 war sie maßgeblich an der Gründung des Internationalen Komitees sozialer Schulen beteiligt (heute: International Association of Schools of Social Work/ IASSW), dessen Vorsitzende sie über 1933 hinaus war. Die Projekte bestehen bis heute.

Einzig die Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit, deren Auflösung im Mai 1933 Alice Salomon selbst veranlasste, um der drohenden Hausdurchsuchung und Liquidierung durch die Gestapo zu entgehen, wurde nach 1945 nicht wieder neu gegründet.


Emigration in die USA


Alice Salomon wurde 1933 aus allen öffentlichen Ämtern verdrängt und im Alter von 65 Jahren 1937 von der Gestapo zur Emigration gezwungen.

Der seit dem 1. Weltkrieg auch in der Frauenbewegung zunehmende Antisemitismus hatte bereits vorher dazu geführt gehabt, Nominierungen Alice Salomons für den Vorsitz des Bundes Deutscher Frauenvereine und 1928 auch für den Vorsitz des International Council of Women zu verhindern.

Alice Salomon starb 1948 in New York.

Weitere Informationen erhalten Sie im Alice Salomon Archiv.