Alice, Leonie und Mieze:

Drei Frauenbiographien zwischen Berliner Bohème und Exil


Projektlaufzeit: 01.02.2022 bis 31.12.2022

Projektleitung: Prof. Dr. Sabine Toppe

Projektmitarbeiter_innen: Filiz Gisa Çakır

Zusammenfassung:
Da von Alice Salomon selbst kein Nachlass erhalten ist, sind die Schenkungen der Nachkommen unserer Namensgeberin, die das Archiv im Mai 2021 erhielt, besonders spannend. In dem Familiennachlass finden sich Briefe, Fotos, Manuskripte und Tagebücher mit zeitlichem Schwerpunkt auf dem späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aus den Dokumenten entsteht ein vielschichtiges Bild der nahen Verwandten Salomons. Außerdem gewährt der Bestand nicht nur einen Blick in die Berliner Bohème im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, sondern dokumentiert zudem die nationalsozialistische Machtergreifung aus Perspektive der Familienmitglieder: Ermordungen, Vertreibung aus Deutschland, das Leben im Exil ebenso wie Aktivitäten im Widerstand.

In unserem Projekt konzentrieren wir uns zunächst auf drei Schlüsseldokumente des neuen Bestands:

  1. Die Tagebücher von Leonie Hepner, verh. Cahn umfassen acht Bände, verfasst in den Jahren 1913-1920. Die Aufzeichnungen der jungen Frau erzählen von ihrer Berliner Zeit, in welcher sie kurzzeitig an der Sozialen Frauenschule Salomons tätig war und sich danach einem Gesangsstudium widmete. Zu ihren Berliner Kontakten gehörten Persönlichkeiten wie der Künstler Jussuf Abbo, der Violonist Bronislaw Huberman und die Sopransängerin Adelheit Armhold. Nach Heirat mit einem Schweizer zog sie 1924 nach Zürich und später nach London.
  2. Maria Hepners Autobiographie „Erinnerungen einer 90-jährigen“, die sie Mitte der 1980er Jahre verfasste, dokumentiert ihr Leben, darunter ihre Zeit in Berlin, als sie ebenso wie ihre Schwester in Salomons Frauenschule tätig war. Nach ihrem Studium bei den Grafologen Ludwig Klages, Max Pulver und Robert Saudek baute sie - als Entwicklerin des "Hepner Writing Test" für Kinder bis heute renommiert - in Berlin ein eigenes graphologisches Institut auf. Hepner floh 1933 vor der Gestapo zu ihrer Schwester Leonie in die Schweiz, mit der sie bis zu ihrem Lebensende in Zürich und später in London zusammenlebte.
  3. Felix Hepners Familienhistorie liefert umfangreiches Kontextmaterial zu den Familienbeziehungen. Sie gibt Aufschluss über die Familie, Wohnorte, Professionen und Besitztümer. Darüber hinaus enthält sie auch zahlreiche Fotos, u.a. bisher unbekannte Aufnahmen von Alice Salomon im Kreis ihrer Verwandten.

Leonie und Mieze nehmen eine wichtige Rolle in der Zusammenstellung und Bewahrung dieser außergewöhnlichen Familiensammlung ein, die die beiden aus Deutschland in die Schweiz und von dort aus nach London brachten, wo sie bis zur Übergabe an das ASA im Besitz der Familie bewahrt wurde.

Nach der Digitalisierung dieser Schlüsseldokumente werden ausgewählte Passagen transkribiert und in die englische Sprache übersetzt. So werden sie nicht nur zeit- und ortsunabhängig einsehbar und erforschbar, sondern auch über Sprachbarrieren hinweg.


Mittelgeber_in: Stiftung Preußische Seehandlung

Schlagworte: Frauenbiographien, Tagebücher, Schlüsseldokumente, Hapner, Alice Salomon.

Projektwebseite: https://www.alice-salomon-archiv.de/projekte/

Kontakt:

Prof. Dr. Sabine Toppe

Professorin Geschichte der Sozialen Arbeit

Raum 523

Sprechzeiten nach Vereinbarung

T +49 30 99245-517