Warum bin ich Wissenschaftlerin?

Schon in der ersten Sitzung des Doktorand_innenkolloquiums, damals noch als abgeordnete Grundschullehrerin, habe ich auf diese Frage geantwortet: Ich möchte die Welt verändern!

Mit den Fragen, die ich als Wissenschaftlerin gemeinsam mit Kindern und Erwachsenen bearbeite, möchte ich Impulse für die Weiterentwicklung der pädagogischen Praxis geben. Ich frage mich z.B., wie größtmögliche Freiheitsräume und zugleich sichere Bindungs- und Beziehungserfahrungen innerhalb institutionalisierter Settings der Kindertageseinrichtung oder Grundschule - und grundsätzlich in Interaktionen von Kindern und Erwachsenen -  eröffnet werden können. Antworten darauf beeinflussen meiner Meinung nach nicht nur die Gestaltung von Lern- und Bildungsprozessen, sondern haben das Potential, auch langfristig Veränderung der Bildungsstrukturen anzuregen.

Angefangen habe ich deshalb damit, die Selbstwirksamkeit von Kindern im Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule als eine wesentliche Dimension der Persönlichkeit genauer zu erforschen: wie und in welchen Situationen fühlen sich Kinder stark und wirkungsvoll? Was bedeutet das für die Gestaltung von Lern- und Bildungsprozessen?

Eine wichtige Antwort aus meiner Forschung darauf: besonders subjektiv bedeutsame, interessenbasierte Erfahrungen von Partizipation, wie sie sie z.B. im Spielen (ohne (für sie bemerkbare) Beteiligung Erwachsener) machen, sind für die Stärkung der Selbstwirksamkeit zentral.

Daran anschließend interessiert mich, wie erwachsene Pädagog_innen handeln können und wie sie professionalisiert werden (müssen), damit sie Kinder „angemessen“ partizipieren lassen und sie in ihrer Partizipation unterstützen: was ist in diesem Zusammenhang „Angemessenheit“ und wie lässt sie sich in pädagogischen Ad-hoc-Interaktionen immer wieder neu bewerten?

Sie merken es schon: Ich bewege mich mit meiner Forschung im Kontext von Partizipation von Kindern zwischen Theorie-, Forschungs- und Praxisentwicklung.

In meinen aktuellen Forschungsvorhaben setze ich mich mit Blick auf Partizipative Forschung mit Kindern damit auseinander, welche forschungsethischen Rahmenrichtlinien und welche Forschungskompetenzen alle Beteiligten, insbesondere erwachsene Forscher_innen, benötigen, wenn auch Forschung größtmögliche Freiheitsgrade ermöglichen soll. Hierzu habe ich z.B. ein internationales DFG-Forschungsnetzwerk „Ethics in Participatory Research with Children“ initiiert, in dem seit Mai 2022 renommierte Wissenschaftler_innen aus verschiedenen Fachdisziplinen für die nächsten drei Jahre gemeinsam forschungsethische Fragen bearbeiten.

Seit dem 1.10.2022 verfolge ich meine Fragen als Professorin für Bildung in der Kindheit an der ASH Berlin. Im Studiengang der Erziehung und Bildung in der Kindheit habe ich dafür die besten Möglichkeiten, denn mit den Personen, mit denen ich dort lehre und lerne, teile ich mein Ziel:

Menschen in ihren Bildungsprozessen zu begleiten und sie zu unterstützen, selbst Weltveränder_innen zu sein!

Aktuelle Publikationen

Velten, Katrin & Höke, Julia (2023). Adults’ ad hoc practices in interviews with children - Ethical considerations in the context of adultness and generational ordering. Childhood. https://doi.org/10.1177/09075682221149615

Hüpping, Birgit & Velten, Katrin (2022). Partizipative Forschung mit Kindern im internationalen Diskurs – Impulse für die Grundschulforschung in Deutschland. Zeitschrift für Grundschulforschung. https://doi.org/10.1007/s42278-022-00161-y

Boer, Heike de & Velten, Katrin (2022). Partizipation aus der Perspektive von Schüler*innen. In H. Bennewitz, H. de Boer & S. Thiersch (Hrsg.), Handbuch der Forschung zu Schülerinnen und Schülern (UTB Erziehungswissenschaft, Schulpädagogik, Bd. 5938, 1. Auflage, S. 163–172). Münster: UTB; Waxmann.

Höke, Julia & Velten, Katrin (2022). Relationale Partizipation - Angemessenheit als Reflexionsfolie für die "gelebte Praxis". In R. Knauer & B. Sturzenhecker (Hrsg.), Demokratische Partizipation und Inklusion in Kindertageseinrichtungen (1. Auflage, S. 274–289). Weinheim und Basel: Beltz Juventa.

Velten, Katrin (2022). Forschen als Lernen und Lernen als Forschen: Potentiale des Forschenden Lernens für grundlegende Bildung im Spannungsfeld von Aneignung und Vermittlung. In M. Obermaier, P. Isele & J. Höke (Hrsg.), Forschendes Lernen in Arbeitsfeldern der Kindheitspädagogik. Grundlagen – Ansätze – Praxen (S. 63–79). Paderborn: Brill | Schöningh. https://doi.org/10.30965/9783657726059_005

Velten, Katrin & Stücke, Uta (2022). Forschendes Lernen im Forscherhaus Herford. In M. Obermaier, P. Isele & J. Höke (Hrsg.), Forschendes Lernen in Arbeitsfeldern der Kindheitspädagogik. Grundlagen – Ansätze – Praxen (S. 179–194). Paderborn: Brill | Schöningh. https://doi.org/10.30965/9783657726059_011

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