Auszeichnungen

Die Alice Salomon Hochschule vergibt jedes Jahr zwei Auszeichnungen:

Der Alice-Salomon-Award wird an Persönlichkeiten verliehen, die im Sinne der Begründerin unserer Hochschule beachtenswerte Beiträge geleistet haben.

Mit dem Alice Salomon Poetik Preis werden Künstlerinnen und Künstler  geehrt, die durch ihre besondere Formensprache und Vielfalt zur Weiterentwicklung der literarischen, visuellen sowie akustischen Künste beitragen und dabei immer interdisziplinär arbeiten und wirken.

Alice-Salomon-Award

Mit dem Alice-Salomon-Award ehrt die Hochschule Persönlichkeiten, die zur Emanzipation der Frauen und der Entwicklung der Sozialen Arbeit Herausragendes beigetragen haben und die im übertragenen Sinn das Werk Alice Salomons unter heutigen Bedingungen weiterführen und verstärken.

Mit dem Preis will die Hochschule auch dazu beitragen, das Lebenswerk Alice Salomons stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu heben und es in seiner Aktualität und fortdauernden Bedeutung zu würdigen.

Preisträger/-innen

„Wir wünschen uns, dass unsere Töchter nach (…) der Arbeit nach Hause kommen, denn die Angst jeder Mutter in Ciudad Juárez ist, dass sie ihre Töchter aus dem Haus gehen sehen und nicht wissen, ob sie zurückkehren“, so Marisela Ortiz. Zusammen mit Norma Andrade hat sie die Organisation Nuestras hijas de regreso a casa (NHRC; „Unsere Töchter sollen nach Hause zurückkehren“) gegründet. Am 20. Juni 2013 zeichnete die Alice Salomon Hochschule Berlin die beiden Aktivistinnen mit dem Alice Salomon Award aus. Die Preisverleihung fand im Audimax der Hochschule statt. 

Mord an Frauen aufgrund ihres Geschlechts

In der nordmexikanischen Grenzstadt Ciudad Juarez wurde Anfang der neunziger Jahre alle zwölf Tage eine Frau ermordet, zwanzig Jahre später geschieht dies alle 20 Stunden. Viele der Morde weisen eine große Ähnlichkeit auf. Die Opfer sind vorwiegend junge Frauen, die in den Maquiladoras, den Billiglohnfabriken, arbeiten. Alle werden nach dem gleichen Muster vergewaltigt, verstümmelt und anschließend ermordet.

Fast keiner der Fälle wurde bisher aufgeklärt, da sowohl Polizei als auch Regierung versuchen, die Aufklärung zu verhindern oder die Straftaten zu verharmlosen. Deshalb ist auch nur wenig über die Hintergründe bekannt. Es gibt Hinweise, dass Drogenhändler die Entführung der Opfer in Auftrag geben. Die Organisation NHRC deutet die Frauenmorde als ein Modell des Femizids, also Mord an Frauen aufgrund ihres Geschlechts.

Und eine weitere Besonderheit markiert die soziale Situation der Frauen: Während aus Ciudad Juarez teilweise skandalisierend, teilweise triumphalistisch, je nach Interessenslage von den Morden und Erfolgen im Zusammenhang der Drogenkartelle berichtet wird, gerät die öffentliche Aufmerksamkeit über die Misshandlungen, Vergewaltigungen, Tod und Gewalt an Frauen in den Hintergrund. Umso mehr sind zivilgesellschaftliches Engagement und politische Parteinahme durch die Frauen selbst wichtig und geradezu lebensrettend.

Die Preisträgerinnen Marisela Ortiz und Norma Andrade

Marisela Ortiz und ihre Mitstreiterin Norma Andrade setzen sich für die öffentliche Thematisierung von Gewalt gegen Frauen, die Aufklärung der Frauenmorde und das Ende der Straffreiheit für die Täter ein. Sie unterstützen betroffene Familien und die Kinder der ermordeten Frauen. All das geschieht unter Lebensgefahr – nach Morddrohungen und Anschlägen musste  Marisela Ortiz Mexiko inzwischen verlassen und hat in den USA um Asyl gebeten. Für ihren mutigen Einsatz wurden die Frauenrechtlerinnen, auch stellvertretend für all jene Frauen in der Welt, die sich in diesen Tagen der Gewalt und Unterdrückung widersetzen müssen, im Juni 2013 mit dem Alice Salomon Award ausgezeichnet.

Am 7. Mai verlieh die neue Rektorin der ASH Berlin, Prof. Dr. Theda Borde den Alice Salomon Award 2010 an Rugiatu Neneh Turay aus Sierra Leone im Pestallozi-Fröbel-Haus Berlin.

Die 32-jährige Preisträgerin hat die Frauenrechtsorganisation „Amazonian Initiative Movement“ gegen Genitalverstümmelung gegründet und erhielt den Preis für ihr Engagement gegen die Beschneidung von Mädchen und für die Bildung von Frauen. Sierra Leone, eines der ärmsten Länder weltweit, gehört zu den afrikanischen Ländern, in denen es noch kein Gesetz gegen die Beschneidung gibt. Die Organisation von Rugiatu Neneh Turay bietet Mädchen Schutz, die aus ihrer Familie geflohen sind. In Zusammenarbeit mit Schulen, religiösen Führern und traditionellen Leitern organisieren sie Workshops und Aufklärungsveranstaltungen oder führen Theaterstücke auf und wirken so auf die Veränderung im Denken und Handeln gegen die traditionelle Gewalt gegen Frauen.

Am 29. Mai 2013 hielt Rugiatu Neneh Turay einen Vortrag an der Alice Salomon Hochschule Berlin im Rahmen des Seminars "Poverty and Social Work in Europe and Developing Countries" (Seminarleiterin: Prof. Dr. Christine Labonté-Roset).

Vortrag von Rugiatu Neneh Turay auf Youtube

Der Alice-Salomon-Award 2008 wurde vergeben an Barbara Lochbihler, Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland.

Die Preisträgerin Barbara Lochbihler, geboren 1959, studierte Sozialpädagogik, Politische Wissenschaften, Volkswirtschaft und Internationales Recht.
1987 bis 1991 arbeitete sie als Persönliche Parlamentsreferentin von Prof. Eleonore Romberg, MdL in Bayern. Anschließend war sie sieben Jahre lang Generalsekretärin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit in Genf.
Seit August 1999 ist sie Generalsekretärin der deutschen Sektion von amnesty international.

Die Verleihung des Alice-Salomon-Awards fand im Rahmen der 100 Jahrfeier der ASH am
23.10.2008 im Pestalozzi-Fröbel-Haus, Berlin-Schöneberg statt.

Zur Webseite von Barbara Lochbihler

Fadéla Amara ist die Präsidentin der Association „Ni Putes, Ni Soumises“, die Frauen und junge Mädchen jeglicher Herkunft und jeglichen religiösen Bekenntnisses in den Randbezirken, den „banlieues“, der französischen Städte ermutigt, gegen Ghettoisierung und für Gleichheit, gegen Diskriminierung, Gewalt und für die eigenen Rechte und Freiheit öffentlich aufzutreten.

Weitere Informationen erhalten Sie auf den Seiten des Alice Salomon Archivs.

Alice Shalvi „is considered Israel's most outspoken and active Conservative Jewish feminist, and she is known for persistently challenging Israel's male-dominated establishment in her quest for equal opportunity, equal reward and equal status for women.“ (Brown University News) –

In Essen geboren, emigrierte Sie mit 8 Jahren 1934 nach England, studierte in Cambrigde English literature und an der London School of Economics and Political Science Social Work. Seit 1949 lebt Sie in Israel. Alice Shalvi, Mutter von sechs Kindern, war bis 1990 Professorin für Englische Literatur und Sprache an der Hebrew University und der Ben Gurion University , leitete 1975-1990 die Pelech Religious Experimental High School for Girls, war 1984-1997 Gründerin und Voritzende des israelischen „Women's Network“und 1999-2000 als erste Frau Rektorin des „Schechter Institute of Jewish Studies“ in Jerusalem, zu dem auch eine Rabbiner Schule gehört. Unter anderem ist Sie auch Associate Editor der „Jewish Women: A Comprehensive Historical Encyclopedia“. Sie erhielt viele Auszeichnungen in Israel und den USA und ist Ehrendoktorin der Brown University. 1999 drehte Paula Weinman-Kelman den Film „Rites of Passage“ mit und über Alice Shalvi, er wurde auf dem 6. Jewish Film Festival in Berlin gezeigt.

Weitere Informationen erhalten Sie auf den Seiten des Alice Salomon Archivs.

Alice Salomon Poetik Preis

Mit der Einführung des ersten Masterstudiengangs "Biografisches und Kreatives Schreiben" in Deutschland im Wintersemester 2006/07 vergab die Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH) erstmalig den Alice Salomon Poetik Preis. Der Preis ist mit einer Alice Salomon Poetik Dozentur verbunden und wird nunmehr jährlich an Künstlerinnen und Künstler vergeben, die durch ihre besondere Formensprache und Vielfalt zur Weiterentwicklung der literarischen, visuellen sowie akustischen Künste beitragen und dabei immer interdisziplinär arbeiten und wirken. Der Preis ist mit 6.000 Euro dotiert.

Der Masterstudiengang "Biografisches und Kreatives Schreiben" greift die in den USA erforschten gesundheitsfördernden Wirkungen und kreativen Potentiale des Schreibens auf. Er befähigt Studierende Schreibtrainings durchzuführen und mit Schreibgruppen biografisch zu arbeiten.

Die Jury des Alice Salomon Poetik Preises:

  • Prof. Dr. Susanne A. Benner, wissenschaftliche Leiterin des Masterstudiengangs "Biografisches und Kreatives Schreiben" der ASH Berlin
  • Prof. Dr. Uwe Bettig, Rektor der ASH Berlin
  • Dr. Friedrich W. Block, geschäftsführender Kurator der Stiftung Brückner-Kühner
  • Prof. Dr. Christine Labonté-Roset, ehemalige Rektorin der ASH Berlin
  • Dr. Christiane Lange, stellv. Leiterin Haus für Poesie
  • Marita Oeming-Schill, Dipl. Sozialarbeiterin und Absolventin des  Masterstudiengangs "Biografisches und Kreatives Schreiben" der ASH Berlin
  • Dr. Jens Stupin, Charité Berlin

Preisträger/-innen

Das Foto zeigt die Schriftstellerin Barbara Köhler beim Vorlesen eines Buches.
© Christiane Zintzen
Prof. Dr. Uwe Bettig (Rektor der ASH Berlin) übergibt die Urkunde für den Alice Salomon Poetik Preis 2017 an Barbara Köhler
© ASH Berlin
© ASH Berlin
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© ASH Berlin
© ASH Berlin
© ASH Berlin
© ASH Berlin

Die Alice Salomon Hochschule Berlin verlieh am 28. Januar 2017 in der Berlinischen Galerie den Poetik Preis 2017. Die diesjährige Preisträgerin ist Barbara Köhler.

Barbara Köhler, geboren 1959 in der Nähe der sächsischen Ortschaft Amerika, lebt seit über 20 Jahren als freie Schriftstellerin in Duisburg. Nach ihrem Studium am Leipziger Institut für Literatur Johannes R. Becher arbeitete sie als freie Autorin in Chemnitz und veröffentlichte 1991 ihren ersten Gedichtband „Deutsches Roulette". Seitdem schrieb sie Texte für Kunstzeitschriften und Kataloge, Gedichte, Essays und Übersetzungen. Auch eigene Textinstallationen, Schriftbilder, Audio-Arbeiten sowie temporäre und ständige Arbeiten für öffentlichen Raum und private Gärten zählen zu ihrem umfassenden Werk. Die Kunststiftung NRW ernannte Barbara Köhler 2012 zur Thomas-Kling-Poetikdozentin und veröffentlichte drei Jahre später ihren Gedichtband „Istanbul, zusehends", für den sie 2016 mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet wurde. Zu ihren weiteren Werken zählen „36 Ansichten des Berges Gorwetsch" (2013), „Neufundland" (2012), „Niemands Frau. Gesänge zur Odyssee" (2007) und „Wittgensteins Nichte" (1999).

Die Jury des Alice Salomon Poetik Preises würdigt Köhler als „Sprachkünstlerin", die „mit empathischer Neugier, tief lotender Sprachlust, in Bildern, die eine Unschuld des Blickes hinterfragen (...) eine Kunst schafft, die sich konsequent unserer Zeit stellt. (...)
Sie verfasst Sprachlandschaften und erkundet in ihnen die menschliche Existenz. Ihre Texte sind hochmusikalische Partituren. Ihre Bilder sind so genau wir ihr Blick. (...) Bei ihr wird Polizistanbul zu Resistanbul und schließlich zu Artistanbul – eine Beschwörung der Kunstfreiheit jenseits jeglicher politischer, sozialer oder ästhetischer Doktrin."
Die Jury setzt sich aus Größen der deutschen Kunst- und Literaturszene sowie aus Multiplikatoren der Alice Salomon Hochschule Berlin zusammen.

"Poesie ist eine unhörbare Bewegung der Buchstaben"
Alice Salomon Hochschule Berlin vergibt Poetik Preis an Elfriede Czurda

"Poesie kann dem Publikum nicht mittels Lärm in die Ohren gedröhnt werden, sondern verlangt ihm etwas ab: die Bereitschaft zu hören und zu denken", so die Schriftstellerin Elfriede Czurda, die am 23. Januar 2016 den mit 6.000 Euro dotierten Alice Salomon Poetik Preis verliehen bekommen hat. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Neujahrsempfangs der Alice Salomon Hochschule statt. 

Elfriede Czurda, geboren 1946 in Wels, lebt als freie Schriftstellerin in Wien. Nach abgeschlossenem Studium publizierte sie 1974 ihre ersten Texte in der Linzer Zeitschrift „neue texte“, war später mehrere Jahre Lektorin der gleichnamigen Buchedition. Mit „ein griff = eingriff inbegriffen“ veröffentlichte sie 1978 ihr erstes Buch im Rainer Verlag in Berlin. 1980 verlagerte sie ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin und kehrte 2007 nach Wien zurück. Sie lebte einige Zeit als Writer in Residence und Gastprofessorin in den USA und in Japan.

Die Jury des Alice Salomon Poetik Preises würdigte Czurda als Künstlerin, die eine „offene, hoch konzentrierte und subtile Poesie zwischen den Künsten geschaffen hat.“ Ihr breit gefächertes Werk umfasst Prosa, Gedichte, Essays sowie visuelle und fotografische Arbeiten, sie schrieb und inszenierte Hörstücke. Zu ihren Werken zählen u.a. die Romane „Kerner. Ein Abenteuerroman“ (1987/2009), „Die Giftmörderinnen“ (1991), „Die Schläferin“ (1997) sowie die Gedichtbände „Das Confuse Compendium“ (1992), „ich, weiß“ (2008), „Dunkelziffer“ (2011) und das „Buch vom Fließen und Stehen“ (2014). „In der Vielfalt ihres Werks vermittelt sie eine Ästhetik des Intermediären – zwischen Poesie und Theorie, Sinnlichkeit und Konzeptualität, Sprachkraft und Unsagbarkeit sowie auch zwischen Text, Bild, Musik und Architektur“, so die Jury weiter. Die Jury setzt sich aus Größen der deutschen Kunst- und Literaturszene sowie aus Multiplikatoren der Alice Salomon Hochschule Berlin zusammen.

Die Poesie hat für Elfriede Czurda einen besonderen Stellenwert: „Das Spektakuläre an dieser Form des Ausdrucks, die sich Poesie nennt, ist die Dynamik der Sprachelemente selbst, eine Bewegung der Laute, der Buchstaben, die sich rätselhaft und trivial zugleich an Dinge heften und von Dingen lösen und so mit größter Leichtigkeit komplexe Vorstellungen prozessieren: ‚ein rascheln ist dort wo ich glaube zu sein‘ als poetologischer Ausgangspunkt, ‚und ein huschen ist dort wo ich hin will‘ (Reinhart Priessnitz). - Diese Vorgänge sind also derart differenziert und minimalistisch, dass sie im Lärm des medialen Rummels so gut wie unhörbar sind.“

Vor diesem Hintergrund, und weil „Poesie ganz und gar und im Wortsinn ohne Grund ist“, sieht Czurda in Poetikpreisen einen „(lebens-?)wichtigen Fingerzeig auf eine der bedeutendsten Kulturtechniken.“

© Barbara Halstenberg

Sprachwitz, Theaterleidenschaft und Soziales Engagement

Am Samstag, den 24. Januar 2015 wurde dem Gründer und langjährigen Leiter des GRIPS Theaters, Volker Ludwig im Rahmen des Neujahrsempfangs der Alice Salomon Hochschule der Poetik Preis 2015 übergeben.

Der Schriftsteller verfasste zahlreiche Stücke und Lieder für Theater, Kabarett, Fernsehen und Rundfunk. Schon während seines Studiums macht er sich als Kabarett- und Liedertexter einen Namen. 1965 gründet er das legendäre politisch-literarische „Reichskabarett“, die satirische Stimme der Berliner Studentenbewegung. Der Aufklärung verpflichtet, entwickelt er dort das emanzipatorische Theater für Kinder, seit 1972 GRIPS Theater genannt. Die Premiere von „Stokkerlok und Millipilli“, 1969 mit seinem Bruder Rainer Hachfeld geschrieben und weltweit nachgespielt, gilt als Geburtsstunde des modernen Kindertheaters.

Für eine schwungvolle Preisverleihung sorgte eine Revue von Liedern, deren Texte von Volker Ludwig stammen. Die Aufführung von Schauspielern und Musikern des GRIPS Theaters entfaltete in den Räumen des Roten Rathauses Ihre ganz eigene Dynamik und spiegelte das vielfältige Schaffen Volker Ludwigs wider: Kabarettistische Stücke aus der Zeit des „Reichskabarett Berlin“, „Mutmach“ - Lieder für Kinder, dynamische Rocksongs für Jugendliche und der „Himmels-Song“ aus seinem Stück „Ab heute heißt Du Sara“ zeigten seine besondere Stärke, das Publikum aufzurütteln: „Mit seinen Stücken schafft er Theater-Kunst für Kinder und Erwachsene, regt sie zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt an und setzt auf die Kraft der kritischen Vernunft, ohne mit dem pädagogischen Zeigefinger belehren zu wollen.“, so Jens Stupin, Sprecher der Jury.
Prof. em. Gerhard Fischer, Historiker, Literaturwissenschaftler und Autor des Buches GRIPS. Geschichte eines populären Theaters, 1966-2000 (München 2002), würdigte in seiner Laudatio die gesellschaftliche Bedeutung des Lebenswerkes von Volker Ludwig. Dieser erfinde „Gesellschaftsgeschichten, in denen sich die Schicksale von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verknüpfen. Diese Geschichten sind niemals nur platte Abbildungen; sie enthalten im Kern stets eine Fabel, die einen Entwurf von Gesellschaft liefert und auf eine utopische Dimension nicht verzichtet. In ihrem Wandel über vier Jahrzehnt hinweg reflektieren diese Theater-Fabeln in exemplarischer Weise ihre Veränderungen in der Lebenswelt, im Zusammenleben der Menschen, in Geschichte.“

Das soziale Engagement des Autors, das sich durch alle Schaffensphasen zog, prädestiniert Volker Ludwig für den Alice Salomon Poetik Preis. „Ich bin glücklich über diesen Preis, ich habe mich selten so verstanden gefühlt“, resümierte Volker Ludwig nach der Preisverleihung. Der mit 6.000.- € dotierte Preis wird jährlich an Künstler/-innen vergeben, die durch ihre besondere Formensprache und Vielfalt zur Weiterentwicklung der literarischen, visuellen sowie akustischen Künste beitragen und dabei immer interdisziplinär arbeiten und wirken.

© Christian Altorfer

"Einbildungskraft, die Schönheit in unser Leben schmuggelt"

Alice Salomon Hochschule Berlin vergibt Poetik Preis an Schweizer Schriftsteller, Kabarettist und Liedermacher Franz Hohler

Der mit 6.000 Euro dotierte Alice Salomon Poetik Preis wurde am 18. Januar 2014 an Franz Hohler verliehen. Der Schweizer Schriftsteller, Kabarettist und Liedermacher wurde 1943 in Biel geboren und wuchs in Olten auf. Seit 1965 arbeitet er für Bühne, Radio und Fernsehen, schreibt Erzählungen, Romane, Gedichte, Kabarettprogramme, Theaterstücke und Kinderbücher. Zu seinen Erstlingswerken zählen unter anderem „Das verlorene Gähnen und andere nutzlose Geschichten“ (1967), der Prosaband „Idyllen“ (1970) und der Kinderroman „Tschipo“ (1978). In jüngster Zeit veröffentlichte er die Kinderverse „Es war einmal ein Igel“ (2011), den Erzählband „Der Geisterfahrer“ (2013) und den Roman „Gleis 4“ (2013).

Die Jury, die sich aus Größen der deutschen Kunst- und Literaturszene sowie aus Multiplikatoren der Alice Salomon Hochschule Berlin zusammensetzt, würdigte Hohler als Autor, dessen „formvollendete Sprachkunst den Blick für das Ungewöhnliche und Ungehörige im Alltäglichen [schärft]“. Dabei zeugt der Humor des Poetikpreisträgers „von politischer Moral ebenso wie von Humanität und einer faszinierenden Einbildungskraft, mit der er etwas Schönheit in unser Leben schmuggelt“ so die Jury des Alice Salomon Poetik Preises weiter.

Mit dem Alice Salomon Poetik Preis zeichnet die Alice Salomon Hochschule Berlin Künstlerinnen und Künstler aus, die durch ihre besondere Formensprache und Vielfalt zur Weiterentwicklung der literarischen, visuellen sowie akustischen Künste beitragen und dabei immer interdisziplinär arbeiten und wirken. Die Berliner Hochschule für Soziale Arbeit, Gesundheit sowie Erziehung und Bildung im Kindesalter führte 2007 den Masterstudiengang „Biografisches und Kreatives Schreiben“ ein – im Zuge dessen wurde der Alice Salomon Poetik Preis erstmalig vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Gerhard Rühm, Michael Roes, Rebecca Horn, Valeri Scherstjanoi, Eugen Gomringer, Emine Sevgi Özdamar und Andreas Steinhöfel.

© Joachim Boepple

Radikal und tief berührend

Ausgezeichnete Kinder- und Jugendliteratur: Alice Salomon Hochschule Berlin vergibt Poetik Preis an Andreas Steinhöfel

Der mit 6.000 Euro dotierte Alice Salomon Poetik Preis wurde am 12. Januar 2013 im Rahmen des Neujahrsempfangs der Hochschule in der Berlinischen Galerie an Andreas Steinhöfel verliehen.

Andreas Steinhöfel ist Autor zahlreicher, preisgekrönter Kinder- und Jugendbücher. Zu seinen Werken gehören der Bestseller „Die Mitte der Welt“ sowie das Kinderbuch „Rico, Oskar und die Tieferschatten“, das 2009 unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde. Aus Steinhöfels Feder stammen ebenfalls zahlreiche Folgen der Kindersendungen „Käpt’n Blaubär Club“ und „Löwenzahn“.
Die Jury, die sich aus Größen der deutschen Kunst- und Literaturszene sowie aus Multiplikatoren der Alice Salomon Hochschule Berlin zusammensetzt, würdigt Steinhöfel als Autor, dessen Werke einzigartig und „bestimmt von einer radikalen und zugleich tief berührenden Menschlichkeit [sind]“. Im Kinder- und Jugendbuchgenre „gehört Andreas Steinhöfel nicht zuletzt mit seiner Arbeit an der Schnittstelle zum Film unzweifelhaft zu den großen Meistern“ so die Jury des Alice Salomon Poetik Preises weiter.

Mit dem Alice Salomon Poetik Preis zeichnet die Alice Salomon Hochschule Berlin Künstlerinnen und Künstler aus, die durch ihre besondere Formensprache und Vielfalt zur Weiterentwicklung der literarischen, visuellen sowie musischen Künste beitragen und dabei immer interdisziplinär arbeiten und wirken. Die Berliner Hochschule für Soziale Arbeit, Gesundheit sowie Erziehung und Bildung im Kindesalter führte 2007 den Masterstudiengang „Biografisches und Kreatives Schreiben“ ein – im Zuge dessen wurde der Alice Salomon Poetik Preis erstmalig vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören bedeutende Künstler wie Gerhard Rühm, Michael Roes, Rebecca Horn, Valeri Scherstjanoi, Eugen Gomringer und Emine Sevgi Özdamar.

© Helga Kneidl

Auszeichnung für das „Oszillieren zwischen den Kulturen“

Am 14. Januar 2012 hat die Alice Salomon Hochschule Berlin den Alice Salomon Poetik Preis 2012 an Emine Sevgi Özdamar vergeben

Der von der Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH Berlin) vergebene Poetik Preis zeichnet alljährlich hervorragende Künstlerinnen und Künstler aus, die in ihrem Werk das Poetische über herkömmliche Sprach-, Kultur- und Genregrenzen erweitert haben. Am 14. Januar 2012 wurde Emine Sevgi Özdamar in der Berlinischen Galerie mit dem Alice Salomon Poetik Preis ausgezeichnet. Die in der Türkei geborene deutsche Schriftstellerin, Schauspielerin und Theaterregisseurin nahm im Alter von zwölf Jahren ihre erste Theaterrolle am Staatstheater Bursa im „Bürger als Edelmann“ von Molière an. 1965 kam sie als 19-Jährige nach Deutschland, ohne Deutsch zu sprechen, und arbeitete zwei Jahre lang in einer West-Berliner Fabrik. Von 1967 bis 1970 besuchte sie die Schauspielschule in Istanbul. Sechs Jahre später nahm sie die Arbeit als Regieassistentin an der Volksbühne in Ost-Berlin auf. Dort arbeitete sie zusammen mit dem Brecht-Schüler und Regisseur Benno Besson und Matthias Langhoff und schrieb erste Theatertexte. Seit 1982 arbeitet Emine Sevgi Özdamar als freie Schriftstellerin. Für ihre Werke erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen wie den Ingeborg-Bachmann-Preis (1991) und den Kleist-Preis (2004). 2006 erschien die Berlin-Istanbul-Trilogie „Sonne auf halbem Weg“, die Özdamars drei große Romane enthält: „Das Leben ist eine Karawanserei, hat zwei Türen, aus einer kam ich rein, aus der anderen ging ich raus“, „Die Brücke vom Goldenen Horn“ und „Seltsame Sterne starren zur Erde“.

Die Begründung der Jury

Die Jury des Alice Salomon Poetik Preises ehrt Özdamar als eine Autorin, die „mit Phantasie, Humor und Selbstironie nach Um- und Auswegen aus der Sprachlosigkeit sucht und auch nicht davor zurück schreckt, sich zur Not den Weg einfach frei zu sprengen.“ Weiter begründet die Jury, dass Emine Sevgi Özdamar „einen besonderen Weg geht, der das Oszillieren zwischen den Kulturen und künstlerischen Genres als große Freiheit und Chance für etwas Neues begreift. Dieses Neue äußert sich in einer eigenen erfindungsreichen und künstlerisch höchst anspruchsvollen Sprache, die auch vor dem (noch) Unsagbaren nicht resigniert.“ Prof. Dr. Theda Borde, Rektorin der ASH Berlin, meint: „Emine Sevgi Özdamar hat durch ihre Migrationserfahrung und durch die Auseinandersetzung mit Verschiedenheit Neues geschaffen und spiegelt damit auch einen der Leitsätze unserer Hochschule wider.“ Die Laudatio hielt Dr. Harald Jähner, Ressortleiter Feuilleton bei der Berliner Zeitung. Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung von dem Pianisten Fritz Kaas, der auch als Gastdozent an der Akdeniz Universität in Antalya tätig ist.

© Hans Kumpf

Poetische Hochschule – Auszeichnung für Initiator der konkreten Poesie

Am 22. Januar 2011 hat die Alice Salomon Hochschule Berlin den Alice Salomon Poetik Preis 2011 an Eugen Gomringer vergeben

Einer der bedeutendsten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur, Prof. Eugen Gomringer wurde am 22. Januar 2011 um 19 Uhr in der Berlinischen Galerie von der Alice Salomon Hochschule im Rahmen des Neujahrsempfangs mit dem Alice Salomon Poetik Preis 2011 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 6.000 Euro dotiert und wird jährlich vergeben.
Der PreisträgerEugen Gomringer, Preisträger des Poetik Preises 2011 ist der Initiator und zugleich prominentester Vertreter der konkreten Poesie. Der Begriff der konkreten Poesie wurde von Gomringer selbst geprägt und beschreibt eine Richtung der Lyrik, die das „Sprachmaterial“ in den Vordergrund stellt und durch besondere Anordnungen der Buchstaben und Wörter eine eigene künstlerische Realität erschafft. Oft werden so Bedeutungsinhalte visualisiert. Die Gedichte Gomringers gehören zum Kanon der modernen Lyrik und finden sich in Lesebüchern und Literaturgeschichten. Und auch in Lehrbüchern des gymnasialen Deutschunterrichts ist Gomringer in Form von Auszügen seiner kunsttheoretischen Schriften vertreten.

Die Jury, die aus Multiplikatoren der Hochschule, Größen der deutschen Kunst- und Literaturszene sowie dem Preisträger des Vorjahres besteht, ehrt Gomringer als „einen Künstler, der wesentliche Kapitel avancierter Kunst und Literatur mit geschrieben und sich wie kaum ein anderer um die Transparenz und gegenseitige Verschränkung der Einzelkünste verdient gemacht hat.“ Weiter begründet die Jury, dass Eugen Gomringer eine Programmatik der Konkreten Poesie entwickelte und damit nach für einen „Quantensprung in der Sprachkunst“ gesorgt hat. Prof. Dr. Theda Borde, Rektorin der Hochschule stellt vor allem den interdisziplinären Charakter seiner Werke in den Vordergrund: „Die Interdisziplinarität Gomringers ist faszinierend und spiegelt die vielfältigen Studiengänge und damit miteinander verbunden Disziplinen unserer Hochschule wider“, so Borde.

Der Alice Salomon-Poetik-Preis geht im Jahr 2010 an den seit langem in Deutschland lebenden russischen Schreib- und Vortragskünstler, Lautdichter, Erzähler und Hörspielautor Valeri Scherstjanoi.

Zur Begründung teilt die Jury mit:

„Der Preis würdigt Valeri Scherstjanoi als künstlerische Ausnahmeerscheinung und einen seltenen Meister der Zwischenbereiche. Immer ist er in Bewegung zwischen den Sprachen und den Künsten, zwischen Tradition und Innovation, ästhetischer und vermittelnder Tätigkeit. In seinem ‚Lautland‘ entwickelt sich eine ganz eigenständige feinsinnige Sprachkunst in der engen Verbindung von Schreiben, Zeichnen und Artikulieren. Dabei speist sie sich aus einer Vielzahl sprachlicher Einflüsse und aus der versuchenden Selbstbeobachtung des eigenen poetischen Möglichkeitsraums. Darüber hinaus überliefert Scherstjanoi als Experte und Vermittler die russischen und europäischen Poesie-Avantgarden, vor denen sein eigenes Werk zu verstehen ist.“

Valeri Scherstjanoi wurde 1950 in Sagis, in Kasachstan, dem Verbannungsort seiner Eltern geboren und wuchs in der südrussischen Gegend von Krasnodar am Schwarzen Meer auf. Nach dem Schulbesuch studierte er dort von 1971-76 Germanistik. Seit 1968 hat er eigene Gedichte und Texte der russischen Futuristen vorgetragen. Ende 1979 siedelte er in die DDR über und lebt seit 1981 in Berlin. Scherstjanoi war Gast zahlreicher Poesiefestivals in aller Welt. International wurde seine visuelle Kunst in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Er war Mitglied des Bielefelder Colloquiums Neue Poesie. Publiziert hat er zahlreiche Künstlerbücher, die meisten im Berliner Hybriden Verlag, Prosa und CDs sowie Editionen russischer Avantgarde; es entstanden Radioarbeiten für den Bayerischen, Süddeutschen und Westdeutschen Rundfunk. Eine Werkschau erschien unter dem Titel „Lauter Scherben“ (Norderstedt 2008).

Weiteres ist zu erfahren unter www.lautland.de.

Die Hochschule ist stolz, den diesjährigen Alice Salomon Poetik Preis an Rebecca Horn verliehen zu haben. Die Laudatio hielt Joachim Sartorius, Intendant der Berliner Festspiele. Musikalisch begleitet wurde die Festveranstaltung von Hayden Chisholm.

Für den Preis konnte die Hochschule in diesem Jahr folgende externe Juroren gewinnen:
Friedrich Block, Kurator der Stiftung Brückner-Kühner;
Michael Roes (Preisträger 2006) stellv. für Gerhard Rühm (Preisträger 2007)
und Thomas Wohlfahrt, Direktor der Literaturwerkstatt Berlin.
Die ASH Berlin wurde vertreten durch: Christine Labonté-Roset und Klaus Mischon.

Gerhard Rühm ist Musiker, Poet und Bildender Künstler, lebt in Köln und wird gerne als Klassiker der Moderne bezeichnet. Im Juli 2007 erscheint der zweite Band seiner Werkausgabe im Parthas Verlag, Berlin.

"Gerhard Rühm ist einer der bedeutendsten Künstler dieses Jahrhunderts. Hoher künstlerischer Ernst, Unbeirrbarkeit und Konsequenz, Ideenreichtum und Humor zeichnen ihn seit seinen Anfängen aus. Sein Anspruch als Künstler ist stets der höchste, und er wird ihm in glänzender Weise in jedem einzelnen Werk gerecht. Kompromisse kennt er nicht. Einzigartig mutet seine Mehrfachbegabung an: er beherrscht die Kunst der Musik, von seinen frühen »Eintonstücken«bis zu seinen hinreißenden Chansons; die Dichtkunst ohnehin, von seinen Lautgedichten bis zum meisterhaften Sonettenkranz, von seinen gewichtigen Beiträgen zur konkreten Poesie bis zu seinen erstaunlichen Leistungen in den Sparten Prosa, Bühnenstück und Hörspiel; schließlich beeindruckt er durch sein kühnes grafisches Werk. Er arbeitet also in drei voneinander abgrenzbaren Gattungen, tut dies aber in einer Weise, dass die Grenzen durchlässig werden oder überhaupt aufgehoben scheinen." (Ernst Jandl) Die Worte stammen von Ernst Jandl, einem engen Wegbegleiter Rühms des Künstlers Gerhard Rühm.

"Radikaler Komponist"

Gerhard Rühm, 1930 in Wien geboren und Preisträger des diesjährigen Poetikpreises der Alice Salomon Hochschule Berlin, gehörte in den 50er Jahren zur Wiener Gruppe um H.C. Artman und Oswald Wiener. Als ?radikaler Komponist? war er in den Wiener Kunst- und Musikzirkeln bald bekannt und grenzte sich mit interdisziplinären Text-, Bild- und Darstellungsexperimenten gegen das allseitig konservative Klima in Österreich ab.

Interdisziplinäre Vorstellung der Künste

Nachdem er in Deutschland mit seinen Collagen, Montagen und visuellen Texten erfolgreich als bildender Künstler wahrgenommen wurde, berief ihn die Staatliche Kunsthochschule Hamburg 1972 als Professor für freie Grafik. Das Amt hatte er bis zu seiner Emeritierung 1996 inne. Ob »visuelle musik« oder »auditive poesie«, das Werk von Gerhard Rühm basiert auf der Umsetzung einer absolut interdisziplinären Vorstellung der Künste.

Der Poesie Gerhard Rühms kann man in all seinen Werken begegnen, ob sie nun gemalt, gezeichnet, geschrieben oder vertont sind, ob sie hörbar, lesbar oder gar nicht sind, sie sind dennoch immer begreifbar oder besser gesagt erfahrbar. Rühm stellt jedem Rezipienten die Aufgabe, seinen Geist und seinen Körper für Lockerungsübungen der Sinne bereitzuhalten.

Akustische Umsetzung visueller Zeichen

Es geht Gerhard Rühm immer um die akustische Konkretisierung von Lauten, Silben, Wörtern und um die akustische Umsetzung der visuellen Zeichen und Zeichenfolgen, das, was man optische Lautkonstellation nennen könnte. Leider besteht bis heute das Vorurteil, die literarische Avantgarde lebe zwar noch, sei aber in die Jahre gekommen. Gerhard Rühm tritt bis heute den Gegenbeweis an. Vielleicht ist er gar ihr letzter Vertreter.
Das eigene Werk führt der überaus produktive (knapp achtzigjährige) Autor weiter fort, so dass noch einiges zu erwarten ist. Sein Gesamtwerk verweigert sich der Vorstellung von der linearen Entwicklung eines Lebenswerks. Im Gegenteil, Gerhard Rühm arbeitet weiter an verschiedenen methodischen wie motivischen Perspektiven.

Weitere Ehrungen und Preise

Als österreichische Ehrungen durfte Gerhard Rühm 1984 den Würdigungspreis der Stadt Wien für Literatur und 1986 die Übersetzerprämie des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst entgegen nehmen. 1991 erhielt er die Ehrenmedaille in Gold der Stadt Wien und den Großen Staatspreis für Literatur. Zuletzt erhielt er im Frühjahr 2007 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien.

Michael Roes hat als Poet, Romancier, Filmemacher und als Kundiger in der Lehre ein exzellentes und provokantes Werk hervorgebracht. Die Rektorin der ASH Berlin - Prof. Dr. Christine Labonté-Roset - und eine Jury haben ihn für den Preis ausgewählt.

Michael Roes wurde 1960 in Rhede am Niederrhein geboren. Nach dem Abitur studierte er Psychologie, Philosophie und Germanistik an der Freien Universität Berlin, wo er 1985 sein Diplom in Psychologie machte. Von 1985 bis 1989 war er Regie- und Dramaturgieassistent an der Berliner Schaubühne und an den Münchner Kammerspielen. Es folgte ein Studienaufenthalt in der Wüste Negev. 1991 promovierte Roes mit einer Arbeit über Isaak und das Sohnesopfer zum Doktor der Philosophie.

1993 bis 1994 hielt er sich studienhalber in der jemenitischen Wüste auf; seine dortigen ethnologischen Studien verarbeitete er in dem Roman "Rub' al-Khali". Er unternahm weitere Forschungsreisen in die Vereinigten Staaten und nach Afrika, die ihn jeweils zu neuen Werken anregten. 2001 entstand unter seiner Regie im Jemen eine filmische Neubearbeitung von Shakespeares "Macbeth", 2003 der Dokumentarfilm "Stadt des Glücks" über die heutige algerische Jugend, und 2004 der Spielfilm "Timimoun", eine moderne algerische "Orestie".

Michael Roes' Werk, das u.a. in der Tradition von Bruce Chatwin und Hubert Fichte steht, umfasst Romane, Gedichte, Theaterstücke und Hörspiele. Zentrale Themen sind die Begegnung mit dem Fremden und die Verständigungsschwierigkeiten bei solchen Begegnungen. Neben verschiedenen Stipendien erhielt Roes 1992 den Förderpreis zum Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis und 1997 den Bremer Literaturpreis.

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