Hilfe bei Diskriminierung

Das Leitbild der Alice Salomon Hochschule strebt einen respektvollen, fairen, differenzsensiblen und wertschätzenden Umgang miteinander an, der die gleichberechtigte Teilhabe aller Hochschulangehörigen ermöglicht. Alle Mitglieder der Hochschule sind verpflichtet, einer Diskriminierung entgegenzuwirken.

Dieser Anspruch wird durch gesamtgesellschaftliche Phänomene, wie beispielsweise Sexismus und Rassismus, laufend herausgefordert. Das heißt, dass trotz aller Engagements, auch an der ASH Berlin, Diskriminierung vorkommen kann.

Was ist Diskriminierung?

Diskriminierung ist eine Benachteiligung aufgrund eines tatsächlichen oder auch nur zugeschriebenen Merkmals. Zum Beispiel, wenn jemand mit einem vermeintlich muslimischen Namen, trotz gleicher Qualifikationen, nicht zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird, Personen mit vermeintlich deutschem Namen hingegen schon.

Diese Merkmale beziehen sich meist auf die (angenommene) Zugehörigkeit zu einer bestimmten marginalisierten sozialen Gruppe oder Kategorie, z.B. „Juden“, „Geflüchtete“, „Frauen“.

Im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) 2016 erhalten derzeit 6 Merkmale einen besonderen Schutz vor Diskriminierung: rassistische Zuschreibungen oder ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexuelle Identität. Diskriminierung kann natürlich auch mit Bezug auf andere Merkmale erfolgen, z.B. Sprache, Familienstatus und sozialer Status (Klasse).

Wichtig ist, dass diese Merkmale auch zugeschrieben werden können, d.h. sie müssen nicht mit der Selbstdefinition der Person übereinstimmen.

Diskriminierung ist eine konkrete Handlung, nicht eine Haltung oder ein Gedanke, d.h. Diskriminierung muss gar nicht absichtlich erfolgen. Sie kann beispielsweise rassistisch motiviert sein und/oder auf Vorurteilen beruhen, aber sie kann auch gut gemeint oder völlig unbewusst und/oder unbeabsichtigt sein.

Diskriminierung kann direkt sein - wenn eine Person aufgrund eines Merkmals eine weniger günstige Behandlung als eine Vergleichsperson erfährt, erfahren hat oder erfahren würde - oder indirekt, d. h. Regelungen, die neutral erscheinen, aber tatsächlich Personen wegen eines bestimmten Merkmals schlechterstellen.

Nicht jede ungleiche Behandlung, die einen Nachteil zur Folge hat, ist diskriminierend.

Belästigung ist, wenn eine unerwünschte Verhaltensweise, die Würde einer anderen Person verletzt und infolge der Belästigung ein Umfeld entsteht, dass von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnet ist. Zum Beispiel, wenn männliche Angestellte im Beisein ihrer Kollegin* anzügliche Bemerkungen machen, ist das sexuelle Belästigung. Auch sexuelle Belästigung ist Diskriminierung.

Weiterführende Informationen: Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung

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Anlaufstellen

Sie können sich gerne an die folgenden Anlaufstellen wenden, auch wenn Sie sich nicht sicher sind, ob das, was Sie erlebt haben, wirklich ‚Diskriminierung‘ war und auch, wenn der Vorfall länger zurückliegt. Ihre Angaben werden i.d.R. vertraulich, auf Wunsch auch anonym, behandelt.

In akuten Gewaltsituationen ist die Polizei jederzeit über den kostenfreien Notruf, Tel. 110 zu erreichen!

Im Vorfeld einer Beratung oder Beschwerde kann es hilfreich sein, zu dem diskriminierenden Vorfall ein kurzes Gedächtnisprotokoll mit den wichtigsten Informationen zu erstellen. Als inhaltliche Gliederung können die „Fünf W“ hilfreich sein:

·         Wann und wo hat die Diskriminierung stattgefunden?

·         Was ist genau passiert?

·         Wie kam es dazu?

·         Warum fühlten Sie sich benachteiligt?

·         Wer war an dem Vorfall beteiligt? / Kann jemand den Vorfall bezeugen?

•                    Bei sexualisierter Gewalt: die Frauen*beauftragte

•                    Bei Diskriminierung gegen Frauen* bzw. Sexismus: die Frauen*beauftragte 

•                    Bei Homo-, Trans*- und/oder Inter*feindlichkeit: die Frauen*beauftragte 
                     sowie für Studierende auch das AStA Queer-Referat 

 •                   Bei Diskriminierung bezogen auf Familienstatus: das Familienbüro

•                    Interessenvertretung bei Behinderung, chronischer Krankheit und/oder  
                     psychischer Beeinträchtigung:

                     o   Für Studierende: die Beauftragte & Tutor_in für Barrierefreiheit

                     o   Für Mitarbeitende: die Schwerbehindertenvertretung 

•                   Bei jeglichen Diskriminierungen und Gewalt: 
                    das AStA Anti-Diskriminierungsreferat

•                   Interessenvertretung für Mitarbeitende:

                    o   Für Tutor_innen: der Personalrat der studentischen Beschäftigten

                    o   Für andere Mitarbeiter_innen: der Personalrat


 

 

Es gibt eine Vielzahl von Beratungsstellen in Berlin, die sowohl rechtliche Beratung als auch psychosoziale Unterstützung anbieten. Sie haben jeweils unterschiedliche Schwerpunkte und Zielgruppen. Viele bieten Beratung in mehreren Sprachen an. (Achtung – nicht alle sind komplett barrierefrei!). Hier sind nur einige davon, die gute erste Anlaufstellen sein können:

•                    Antidiskriminierungsstelle des Bundes 

•                    Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin des TBB

•                    Anlaufstellen bei sexualisierter Gewalt

•                    Beratungsstelle-Datenbank der Antidiskriminierungsstelle des Bundes 
                     (bundesweit)

•                    StudierendenWERK Berlin (Beratung zum barrierefrei Studieren, 
                     psychologische Beratung u.a.)

•                    Berliner Krisendienste (bei psychosozialen Krisen bis hin zu akuten 
                     seelischen und psychiatrischen Notsituationen)

Folgende Stellen engagieren sich auf verschiedene Weise gegen Diskriminierung und Gewalt an der ASH Berlin, sind aber keine Erstanlaufstellen bei Diskriminierung. 

•                    Empowerment Projekt (Vernetzung und Empowerment für Studierende mit
                     Rassismuserfahrung, Sensibilisierung für rassistische Diskriminierung, 
                     Peer-to-Peer Beratung)

•                    Diversity Kommission

•                    Frauen*rat

•                    AStA Antira / Antifa Referat (Rechtsradikalismus, Antisemitismus und 
                     Rassismus)

•                    ASH Antirassistische Registerstelle (Meldung/Dokumentation)

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Beschwerden

Wenn Sie an der ASH Berlin Diskriminierung erfahren haben, können Sie sich mit einer Beschwerde an die folgenden Stellen wenden:

•                    Zuständig für Beschwerden über Dozent_innen/Diskriminierungsvorfälle in
                     Zusammenhang mit Studium oder Lehre ist der
                     Prorektor für Studium und Lehre (Prof. Dr. Nils Lehmann-Franßen).

•                    Wenn ASH-Beschäftigte sich im Zusammenhang mit ihrem
                     Beschäftigungsverhältnis vom Arbeitgeber, von Vorgesetzten, anderen
                     Beschäftigten oder Dritten aus Gründen der ethnischen Herkunft, des
                     Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters
                     oder der sexuellen Identität benachteiligt fühlen, haben sie das Recht sich zu
                     beschweren. Die Beschwerde ist zu prüfen und das Ergebnis der oder dem
                     beschwerdeführenden Beschäftigten mitzuteilen (AGG §12 und §13). 
                     Zuständige Anlaufstellen sind die jeweiligen Personalverantwortlichen, d.h.
                     Vorgesetzte und/oder oberste Personalverantwortliche:

                     o   für nichtwissenschaftliches Personal: der Kanzler 

                     o   für wissenschaftliches Personal: die Rektorin 

•                    Als Arbeitnehmer_innenvertretung können der Personalrat sowie der
                     Personalrat der studentische Beschäftigten, Beschwerden im Falle von
                     Diskriminierung entgegennehmen und/oder zur Unterstützung oder 
                     Vermittlung hinzugezogen werden.

•                    Die Kommission Barrierefreiheit ist Anlaufstelle für die Beseitigung von
                     strukturellen, baulichen und sozialen Benachteiligungen für Studierende mit
                     Beeinträchtigungen.

Achtung: Es kann sein, dass Ihre Angaben nicht anonym behandelt werden können, wenn eine Untersuchung zu Ihrer Beschwerde eingeleitet wird – das können Sie aber im Gespräch klären.

Gesetzliche Grundlagen

Schutz vor Diskriminierung ist im deutschen Gesetz verankert, z.B.:

•                    Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) 2016 regelt die Ansprüche und
                     Rechtsfolgen bei Diskriminierungen im Arbeitsleben wie auch im Zivilrecht bei                          Dienstleistungen/"Massengeschäfte". Es will Benachteiligungen aus Gründen
                     der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung,
                     einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern oder 
                     beseitigen.  Schutz des AGGs gilt nur Beschäftigen der Hochschule
                    (Arbeitsleben), i.d.R. nicht den Studierenden - aber das 
                     Berliner Hochschulgesetz bezieht den Schutz vor Diskriminierung auf alle
                     Hochschulmitglieder, auch Studierende (§44).

 •                    Das Berliner Hochschulgesetz (BerlHG) 2011 regelt u.a. die Aufgaben der
                      Berliner Hochschulen. Diese werden darin verpflichtet, eine Frauen*beauftragte
                      sowie ein_e Beauftragte_r für Studierende mit Behinderung zu bestellen.
                      Darüber hinaus regelt das BerlHG auch die Rechte und Pflichten der
                      Hochschulmitglieder: - §44 verpflichtet alle Hochschulmitglieder sich so zu
                      verhalten, dass niemand in Bezug auf die im AGG definierten Merkmale
                      benachteiligt wird. Auch in §5a wird die Pflicht der Hochschule, seine Mitglieder
                      vor sexualisierter Gewalt zu schützen, festgeschrieben.

 •                    Das Landesgleichstellungsgesetz Berlin (LGG) 2002 verpflichtet alle
                      Einrichtungen des Landes Berlin, wie zum Beispiel die staatlichen Hochschulen
                      (u.a. die ASH Berlin) zur Gleichstellung der Geschlechter und zur aktiven
                      Frauenförderung. §12 definiert sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz als
                      Diskriminierung und Dienstpflichtverletzung und verpflichtet Beschäftigte mit
                      Vorgesetzten- und Leitungsfunktionen, bekannt gewordenen Fällen
                      nachzugehen.

•                    In Berlin wird 2019 über einem Landesantidiskriminierungsgesetz beraten, das
                     Schutz bieten soll vor Diskriminierung aufgrund rassistischer
                     Zuschreibungen, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion und
                     Weltanschauung, einer Behinderung, einer chronischen Erkrankung, des
                     Lebensalters, der Sprache, der sexuellen und geschlechtlichen Identität sowie
                     des sozialen Status.

•                    Auch andere Rechtsgebiete können im Zusammenhang mit Diskriminierung
                     relevant sein, insbesondere Arbeitsrecht (z.B. bzgl. Sanktionen Mitarbeitende)
                     und Strafrecht (z.B. bzgl. sexualisierte Gewalt).

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Antidiskriminierungssatzung der ASH Berlin

Im Februar 2020 hat die ASH Berlin eine Satzung zum Schutz vor Diskriminierung, sexualisierter Diskriminierung und Gewalt, Mobbing und Stalking an der ASH Berlin erlassen, die im folgenden Jahr umgesetzt wird.

Sie bietet der Hochschule eine umfassende Struktur für die Prävention von Diskriminierung sowie die Beratung und das Beschwerdemanagement in Fällen von Diskriminierung. Noch müssen diese Strukturen allerdings nach und nach aufgebaut werden. Die entsprechenden Informationen werden fortlaufend auf dieser Webseite aktualisiert und auch weitere Informationsmaterialien werden veröffentlicht (auch in Englisch und Spanisch). Bis dahin bitten wir um Geduld und um die Nutzung der oben angegebenen Unterstützungsangebote.

Ziel der Antidiskriminierungssatzung ist es, Benachteiligungen insbesondere aus Gründen der ethnischen Herkunft, aufgrund rassistischer Zuschreibungen, des Aussehens, der geschlechtlichen Identität und geschlechtlicher Zuschreibungen, der sexuellen Orientierung, einer Behinderung, einer chronischen Erkrankung, der sozialen Herkunft oder des Status, des Lebensalters, der Sprache, des Familienstatus, einer Schwangerschaft, und/oder der religiösen und/oder weltanschaulichen Orientierung oder politischen Gesinnung innerhalb des Hochschullebens zu verhindern und zu beseitigen (sofern die religiöse und/oder weltanschauliche Orientierung oder politische Gesinnung nicht auf Diskriminierung anderer beruht) (Antidiskriminierungssatzung der ASH Berlin § 1 Abs. 2).

Die Satzung wendet aktuelle rechtliche Diskriminierungsverbote und Schutzgebote an der ASH Berlin an und erweitert diese. Sie gibt der ASH Berlin eine umfassende Struktur für die Prävention von Diskriminierung sowie die Beratung und das Beschwerdemanagement in Fällen von Diskriminierung.

Jede Person hat viele Identitäten und ist somit an der Überschneidung verschiedener möglicher Diskriminierungsformen positioniert. So können sexistische Sprüche beispielsweise auch rassistische Bezüge haben. Deswegen müssen wir versuchen das Zusammenspiel von mehrdimensionalen Diskriminierungsformen zu berücksichtigen (intersektionaler Ansatz).

Die Antidiskriminierungssatzung sieht unter anderem den Aufbau eines Netzwerks von Berater_innen vor, die im Falle von Diskriminierung eine Erstanlaufstelle sein können. Dieses niedrigschwellige Angebot wird Betroffene darin unterstützen für sich durchzudenken, was passiert ist, welche Bedafe sie haben, wo sie weiterführende Unterstützung ggf. erhalten können und welche nächste Schritte sie unternehmen möchten.

Des weiteren wird eine Beschwerdestelle eingerichtet werden, die in einem transparenten und fairen Verfahren Beschwerden überprüft und Handlungsempfehlungen bzw. ggf. Sanktionen ausspricht.

Die dritte große Säule ist Prävention. Bestehende Maßnahmen sollen erfasst und unterstützt und neue Maßnahmen entwickelt werden.

Um diese Arbeit erfolgreich umzusetzen, bedarf es Hochschulangehörige, die das Engagement aber auch die Expertise, das Mandat und Ausstattung dafür haben. So wird beispielsweise die Antidiskriminierungskommission mit neuen Aufgaben wiederbelebt werden. Wer Interesse daran hat, mitzuarbeiten, kann sich über die Vertreter_innen der Mitgliedergruppe im Akademischen Senat zur Wahl aufstellen lassen.